Eine Figur für die Ewigkeit
Schmächtig, schüchtern, aber gerechtigkeits-fanatisch wie er selbst: Andrew Garfield (28) ist sozusagen seinem Jugendtraum ins Netz gegangen und spielt nun im Kino den "Amazing Spider-Man".
R egisseur Marc Webb erzählt, er habe für die Neuauflage der "Spider-Man"-Saga, diesmal natürlich in 3-D, mindestens tausend Kandidaten für die Hauptrolle getestet. Wie sah Ihr Test aus?
ANDREW GARFIELD: Man hatte eine Szene mit Telefon und Sessel erfunden. Dann sollte ich loslegen.
Vor zwei Jahren, als ich noch für "The Social Network" vor der Kamera stand, überbrachten mir Webb und die Produzenten in einem Hotelzimmer in Mexiko die freudige Mitteilung, dass ich zum Zug komme.
Wie war Ihnen zumute?
GARFIELD: "Spider-Man" ist seit meinem dritten Lebensjahr mein Held. Ich hatte viele Utensilien mit seinem Konterfei, Pyjama, Zahnbürste, Shampoo, Haarspray und so weiter. Zu meiner ersten Halloween-Party ging ich mit "Spider-Man"-Kostüm. Ich brauche Ihnen daher gar nicht mehr zu versichern, wie wunderbar es ist, meinen Kindheitshelden spielen zu dürfen.
Kennen Sie die drei letzten Spider-Man-Filme mit Tobey Maguire?
GARFIELD: Den ersten habe ich 18 Mal gesehen und geliebt. Nummer drei habe ich auch gemocht, obwohl er etwas verrückt war. Am besten gefallen hat mir Nummer zwei.
Mit bürgerlichem Namen heißt die Hauptfigur Peter Parker, der erst durch den Biss einer radioaktiv verstrahlten Spinne zu "Spider-Man" wird. Welche Anknüpfungspunkte haben Sie?
GARFIELD: Peter ist kein strahlender Held wie etwa Superman, sondern ein unsicherer Außenseiter, der in seiner Schulzeit von anderen herumgestoßen wird. Mir ging es damals genauso. Peter plagen durchaus irdische Probleme, und er tut sich schwer, die ihm durch einen "Unfall" zugefallenen Superkräfte sinnvoll einzusetzen. Seine Kämpfe und die Herausforderungen, denen er sich Woche für Woche ausgesetzt sah, gaben mir als Kind Hoffnung.
Die "Spider-Man"-Comics haben ungeheure Auflagen erreicht. Woran mag das liegen? Und was sagt die Figur dem heutigen jungen Kinobesucher?
GARFIELD: Das ist eine Figur mit "Ewigkeitswert", weil sie ein Symbol für unsere Unvollkommenheit ist. Für die Schwächen, die wir alle haben, aber auch für den Kampf, trotzdem das Richtige zu tun und anderen Leuten zu helfen, die sich nicht selbst helfen können. Menschen auf der ganzen Welt können sich mit ihm identifizieren. "Spider-Man" ist kein Millionär, der sich in seiner Freizeit das exzentrische Hobby der Weltrettung leistet, sondern ein eher schüchterner Durchschnittstyp, ein schmächtiger Bursche. Wie ich.
Peter hat ja auch Beziehungsprobleme.
GARFIELD: Es gibt einen dramaturgisch sehr wichtigen Ausgangspunkt, der für die ganze Geschichte und den ganzen Film größte Bedeutung hat: Peter hat seine Eltern verloren. Er weiß nicht wie und nicht warum. Deshalb fühlt er sich von der Welt betrogen. Auch hat er Angst vor einer Beziehung.
Die ihm dennoch nicht erspart bleibt. Er gewinnt das Herz von Gwen Stacy, gespielt von Emma Stone. Im Film wird ein Happy End nur angedeutet, im Leben ist es längst da. Sie und Emma sind mittlerweile verlobt. Wie geschah das?
GARFIELD: Es begann damit, dass wir uns menschlich zwischen den Aufnahmen außerordentlich gut verstanden. Wir haben viel herumgeblödelt, und ich habe sofort gespürt, dass da etwas Besonderes war. Regisseur Marc Webb war ganz begeistert, denn sein größtes Ziel war, die Beziehung zwischen Peter und Gwen lebendig werden zu lassen. Was konnte ihm also Besseres passieren? Wir befinden uns im Film zwar in einer Superhelden-Welt, doch die Beziehungen sollten sich echt und natürlich anfühlen.
Viele Menschen haben Angst vor Spinnen. Sie nicht?
GARFIELD: Ich habe keine Probleme mit ihnen.
Viele Monate im Spinnen-Kostüm. Wirkt sich so was nicht zumindest auf die Träume aus?
GARFIELD: Das schon. Manche Abenteuer als "Spider-Man" haben mich tatsächlich in die Träume verfolgt, und ich bin ganz schweißgebadet aufgewacht.
Haben Sie bereits für Fortsetzungen unterschrieben?
GARFIELD: Ja, vorerst für die Teile zwei und drei. INTERVIEW: LUIGI HEINRICH















