Die Fenster und das Bimbam der Worte
Einblicke, Durchblicke, Ausblicke gewährt der 36. Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt
KLAGENFURT. Ein Vierteljahrhundert lang lieferte H. P. Maya mit seinen Bühnenbildern eindrucksvolle Kulissen für den Bachmann-Preis. Nach seinem Tod im Februar öffnen sich im Klagenfurter ORF-Theater neue "Fenster". Unter dieses Motto stellt Hanno Kautz (42) seine erste Literatur-Bühne. Der Klagenfurter Architekt und Künstler will damit für Autoren, Juroren und Publikum "Perspektiven und Freiräume" schaffen.
Einblicke, Durchblicke, Ausblicke: Von 4. und 8. Juli steht Klagenfurt wieder ganz im Zeichen der Literatur. 14 Autoren lesen um den mit 25.000 Euro dotieren Bachmann-Preis, den 2011 Maja Haderlap mit dem Auszug aus ihrem Erinnerungsroman "Engel des Vergessens" (Wallstein-Verlag) gewann; die 51-jährige Kärntner Slowenin und Brita Steinwendtner sind übrigens die nächsten "Writer in Residence" in Sri Lanka, ein Projekt des Wiener Kunstvereins "museum in progress".
Vier Österreicher stellen sich heuer der Jury (siehe links). Den Vorsitz hat wieder Burkhard Spinnen inne, neu hinzu kommt die Schweizer Literaturkritikerin Corina Caduff. Jeder Juror schickt zwei Teilnehmer ins Rennen. Daniela Strigl hat heuer Leopold Federmaier und Sabine Hassinger nominiert.
Beim Antreten der eigenen Schützlinge gebe es durchaus eine besondere Situation, gesteht die Wiener Literaturwissenschaftlerin im Gespräch mit der APA: "Man fühlt natürlich mit. Bei den meisten Autoren ahnt man schon die Gegenargumente und wappnet sich. Aber manchmal wird man auch völlig überrascht. Wenn alle anderen sagen: ,Blödsinn!', dann tut das schon weh." Sie selbst empfinde die unmittelbare Öffentlichkeit ihrer Kritik nicht als Belastung: "Prüfungsangst habe ich nicht. Mir macht es Vergnügen". Außerdem gehöre die intensive Klausur-Atmosphäre "fast schon zum Sommerurlaub".
Für die Klagenfurter Rede, mit der traditionell das Wettlesen eröffnet wird, wird sich Ruth Klüger Gedanken über Bachmann machen. Die Holocaust-Überlebende und große Kämpferin gegen das Vergessen hat den Titel "Der haltbare Satz im Bimbam der Worte: Ingeborg Bachmanns Wahrheit und Dichtung" gewählt. MARIANNE FISCHER















