Ein krasser Menschenhasser
Blitzschlag und wilde Wasser: Die Friesacher Burghofspiele wagten sich erstmals an "Alpenkönig und Menschenfeind" und bezauberten.

Foto © www.jagoutz.atFreude am Zauberspiel: Katja Leitner (Malchen) und Gerd Pöcher (Rappelkopf)
FRIESACH. Er hat, so scheint´s, wirklich einen Rappel, der Herr von Rappelkopf, der - großartig verkörpert von Gerd Pöcher - in Ferdinand Raimunds "Alpenkönig und Menschenfeind" im Mittelpunkt des Geschehens am Friesacher Petersberg steht.
In der eindrucksvoll aufwendigen Inszenierung von Adi Peichl mit üppiger Ausstattung, zieht Pöcher die Zwiderwurzen durch, bis endlich der Alpenkönig Astragalus (Wilfried Popek) ihn zur Einsicht zwingt. Ein bisschen weht der Geist Sigmund Freuds schon in dieser Gestalt aus dem Jahr 1828, als das romantisch-komische Zauberspiel mit Musik von Wenzel Müller in Wien uraufgeführt wurde, mit Raimund selbst als Rappelkopf.
Wasserfall
Mit dem eher herb-spröden Stück hat sich das Team einiges vorgenommen. Zum ersten Mal in der 62-jährigen Geschichte der Burghofspiele wagt man sich an den herausfordernden Stoff heran, und das Konzept geht perfekt auf. Zu loben ist vor allem das mit großem Aufwand erstellte Bühnenbild von Arnold W. Bergner. So sind etwa die Gewitterszene mit wild rauschendem Wasserfall, der einen Baum fällende Blitz und die Felsenlandschaft äußerst gelungen. Alles wird außerdem von neuen Scheinwerfern in unzählige Farbtöne getaucht.
Aus dem 50-köpfigen Team sind hervorzuheben: Günther Herbst, der dem Diener Rappelkopfs, Habakuk, Gestalt verleiht. Er lotet die originelle Figur mitreißend aus, und sein Seufzer, als er endlich wieder von Paris erzählen darf, ist bis in die letzte Reihe nachvollziehbar. Das junge Liebespaar Malchen (Katja Leitner) und August (Nico Wirnsberger) entzückt auch durch das Lispeln Augusts. Claudia Wirnsberger hält als Frau Rappelkopf hartnäckig zu ihrem unberechenbaren Ehegespons. Man atmet mit ihr und den anderen Protagonisten auf, als das Monster am Ende des Stücks endlich wieder menschliche Züge zeigt.
Die Familie war in Biedermeierglückseligkeit erstarrt, keiner rührte sich von der perspektivenlosen Stelle. Die mit einer Therapie vergleichbare Verwandlung ist notwendig. Der Zuseher vergleicht Rappelkopf mit sekkanten Mitmenschen und hofft ebenfalls auf eine zauberhafte Wende.
Features
Fotoserie
Fakten
Aufführungen bis 18. August (Mi, Fr, Sa, 20.30 Uhr) auf dem Petersberg Friesach.
Karten: Tel. (042 68) 25 151 Für 28. Juli gibt es eine Kombikarte für Spectaculum, Burgbau und Theater.
















