Geschriebene Gehirnerschütterung
Auf der einen Seite: Konsum, Spaß, Lebensgier. "Coca-Cola, Marlboro, Suzuki/Diskotheken, Gitarren, Bouzouki./Es ist das Leben und keine Werbung", textete Ein-Hit-Wunder Viki Miljkovi für einen Song.
GRAZ. Auf der anderen Seite: Wut, Traurigkeit, Underground. "Die armseligen Diebe unserer Jugend verschwinden allmählich. Wir sind zwar unglücklich, aber noch immer glücklicher als sie", zeichnet Nikola Vranjkovi ein düsteres, aber trotziges Bild der wuchernden alternativen Szene aus dieser Zeit.
"Das geteilte Belgrad" hat die Grazer Stadtschreiberin Barbi Markovi den von ihr kuratierten Literaturschwerpunkt der 130. Ausgabe der Lichtungen getauft. Darin hat sie die Zweigeteiltheit ihrer Geburtsstadt Belgrad in den 1990ern arrangiert: das "gehirngewaschene" und das "gehirnerschütterte Belgrad". Zur Verdeutlichung der Zerrissenheit hat sie die Seiten 63 bis 102 in der Mitte durchgeschnitten. Eine hübsche Idee.
Die meisten der Widerstands-Texte sind erstmals ins Deutsche übersetzt. Unter dem Pseudonym Uro Filipovi versteckt sich der Autor des ersten, explizit direkten Romantagebuchs mit einem homosexuellen Protagonisten, das auszugsweise hier veröffentlicht wird.
Die Reise führt die Leser aber nicht nur nach Belgrad. Der kroatische Inselexperte Senko Karuza lässt Touristen auf Inseln mit "Jugo-Wind" frei, Journalistin und Autorin Emily Walton skizziert die Reise zum letzten Besuch bei einem toten Großvater. Und Lilly Jäckl steuerte einen wortwutwuchtigen Auszug aus ihrem Roman in Arbeit, "Estoy Durmiendo", bei.
Egal, wo der Urlaub hinführt: Die Lichtungen sind die passende Lektüre für Kopfreisen.














