Im Dunkel der Geschichte
Ohne Widerspruch endete die letzte Saisonpremiere an der Wiener Staatsoper, die wegen der Regenbogenparade erst mit zehn Minuten Verspätung beginnen konnte: Verdis "Don Carlo".

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Der Schlussapplaus für die letzte Premiere dieser Spielzeit in der Wiener Staatsoper fiel zwar enden wollend, aber ausnahmsweise einhellig aus. Beifall erntete auch Daniele Abbados Inszenierung, die Giuseppe Verdis "Don Carlo" in einer abstrakten, vielfältig modifizierbaren Blackbox (Bühnenbild: Angelo Linzalata nach einer Konzeption von Graziano Gregori) ansiedelt und damit das Augenmerk auf die Protagonisten lenkt. Von Carla Teti in Kostüme aus der Entstehungszeit der Oper gehüllt, verschwinden sie häufig im Halbdunkel der Geschichte. Düsternis (Licht: Alessandro Carletti) verbirgt meist gnädig, dass die ziemlich statische Personenführung offenbar darauf ausgelegt ist, im Repertoirebetrieb ein Einspringen nach fünfminütiger Einweisung zu ermöglichen.
Weil das fünfaktige französische Original nach wie vor auf dem Spielplan der Wiener Staatsoper steht, galt die Neuproduktion der vieraktigen italienischen Version, der Mailänder Fassung von 1884. Franz Welser-Möst dirigiert sie ohne jegliche Effekthascherei. Er spitzt zwar die Kontraste zwischen langsamen und schnellen Zeitmaßen zu, lässt das Orchester bei den großen Steigerungen mächtig aufdrehen, über weite Strecken aber fast kammermusikalisch agieren: Fein abgestuft in den Farben, wenn auch meist etwas trocken und ein wenig distanziert.
Für das hochkarätige Ensemble hat er zwei bereits bewährte Mitstreiter ausgewählt. Luciana D'Intino, die schon 2001 in seiner Zürcher "Don Carlo"-Produktion die Eboli gesungen hat, brilliert auch jetzt wieder mit dunkel glühender Glut und feuriger Dramatik. Simon Keenlyside, der 2003 unter Welser-Möst in Cleveland sein Rollendebüt als Posa gegeben hat, glänzt mit der eleganten Legatokultur seines sehnigen, höhensicheren Baritons.
Duell der Bässe
René Pape stattete den König Philipp mit einem mächtigen, finsteren, etwas ungeschlachten Bass aus und fand im nicht minder kraftvoll und autoritär orgelnden Großinquisitor von Eric Halfvarson einen ebenbürtigen Gegenspieler: Das Duell der beiden großen Bässe gehörte zu den Höhepunkten des Abends.
Ramón Vargas, schon bei der Wiener Premiere der französischen Urfassung im Jahr 2004 der Titelheld, befand sich diesmal nicht in bester stimmlicher Verfassung, kämpfte mit den Höhen und geizte ein wenig mit tenoralem Schmelz, ließ es aber weder als Schwärmer noch als Hitzkopf an Intensität fehlen.
Krassimira Stoyanova sang ihre erste Elisabetta mit überlegener Gesangskultur, blühenden Lyrismen, dem Wohlklang stets den Vorrang vor dem emotionalen Engagement einräumend.
Features
Fakten
"Don Carlo" von Giuseppe Verdi.
Regie: Daniele Abbado (Foto).
Aufführungen in der Wiener Staatsoper: 19., 22. (18.30 Uhr), 26., 29. Juni, 19 bis 22.30 Uhr.
Karten: Tel. (01) 513 1 513.
www.wiener-staatsoper.at














