Erwin Schrott: "Nur Geld schicken, ist zu wenig"
Erwin Schrott ist eifersüchtig auf Anna Netrebko und seine 14-jährige Tochter. Er engagiert sich für die gemeinsamen Stiftungen und hat in Wien sein neues Solo-Album "Arias" aufgenommen.

Foto © APAErwin Schrott und Anna Netrebko
Konzerte in Deutschland, London, Kopenhagen, danach Leporello an der Berliner Staatsoper. Vorher nahm sich Erwin Schrott noch Zeit, um für sein neues Album "Arias" Interviews zu geben.
Der Zufall wollte es, dass es kürzlich vor der Euro noch ein Fußball-Testspiel von Russland gegen Uruguay gab. Sie haben es sicher über Satellitenanlage gesehen. Was spielt sich da bei Ihnen zu Hause ab?
ERWIN SCHROTT: Ja, die Barrikaden waren schon aufgebaut (lacht). Gott sei Dank endete das Spiel dann 1 : 1.
Eine heißblütige Russin, ein ebenso heißblütiger Mann aus Uruguay. Wie läuft das prinzipiell bei Meinungsverschiedenheiten?
SCHROTT: Anna hat eine goldene Regel aufgestellt: Niemals Streit vor, während und nach Auftritten! Damit sind die Zeitmöglichkeiten schon etwas reduziert.
Wie ist das bei zwei großen Sängern zu Hause mit der Musik?
SCHROTT: Daheim wird kaum gesungen, und wir reden nie über Musik. Es gibt ja genug andere Themen.
Etwa?
SCHROTT: Unsere Stiftungen, deren Ziele sich in verschiedene Richtungen bewegen, liegen uns sehr am Herzen. Denn nur zu singen, Geld zu schicken und "bye, bye!" zu sagen, das wäre zu wenig, das wäre extreme Faulheit. Bei uns kann man sicher sein, dass das Geld genau dort landet, wohin es gehört. Doch da muss die Logistik perfekt stimmen.
Sie und Anna Netrebko singen in diesem Jahr besonders viele gemeinsame Konzerte. Um möglichst oft zusammen zu sein?
SCHROTT: Das könnten wir auch ohne Konzerte erreichen. Nein, es hat sich einfach so ergeben. Ich war immer der Meinung, man soll nichts überstürzen, aber die bisherigen Abende waren so erfolgreich, dass immer mehr Angebote kommen.
In Berlin singen Sie im Juni mehrere Vorstellungen als Leporello, beim Festival in der Arena di Verona sind Sie hingegen der Don Giovanni. Wer ist Ihnen mehr ans Herz gewachsen?
SCHROTT: Sie sind ja Freunde, und ich liebe sie beide. Als Leporello kann man vielleicht etwas kreativer sein, denn der Charakter des Don Giovanni ist vor allem auf eines fixiert - auf sich selbst.
Das soll es auch bei Menschen aus der Welt der Oper geben?
SCHROTT: Kann sein. Doch das kümmert mich nicht. Für mich ist es eine große Ehre, mich in dieser Welt bewegen zu dürfen, sozusagen singend durchs Leben zu gehen, Charaktere zu kreieren. Das ist ein großes Privileg, das nur wenigen Menschen dieser Welt zuteil wird, und ich schätze mich deswegen sehr, sehr glücklich.
Was ist zum Repertoire Ihrer neuen CD "Arias" zu sagen?
SCHROTT: Der Schwerpunkt liegt auf Partien, mit denen ich in Opernhäusern erfolgreich war und bin. Verdi, Massenet und Gounod sind vertreten. Und ich singe zwei Zarzuela-Kompositionen, die mir schon seit meiner Kindheit vertraut sind. Im Repertoire finden sich teilweise schwierige Arien, und ich versuche, besonders gut zu akzentuieren, nicht statisch zu wirken. Das gestaltende Element wird mir immer wichtiger, und ich berate mich oft mit Freunden, die Schauspieler sind. Mich würde es ja reizen, einmal eine Sprechrolle zu verkörpern - wenn mich jemand lässt.
Wie schaut es mit Ihrem mittlerweile dreieinhalbjährigen Sohn Tiago aus? Zwei große Stimmen als Eltern - gibt es Anzeichen, dass er in diese Fußstapfen tritt?
SCHROTT: Derzeit gehen seine Neigungen eher zu Spielzeugen und zum Computer.
Bei Ihnen daheim gibt es angeblich ein tolles Heimkino mit Dolby-Surround-Tonanlage. Was schauen Sie sich besonders gern an?
SCHROTT: Zum Beispiel Filme mit Robert De Niro und Al Pacino. Ich bin ein großer Pacino-Fan. Zum ständigen Repertoire gehört auch "Dinner For One".
Sie haben, aus Ihrer früheren Ehe, auch eine 14-jährige Tochter. Wie ist die Beziehung zu ihr?
SCHROTT: gott sei Dank besonders schön. Wir sehen einander vier Monate pro Jahr, verbringen die Sommerferien zu viert, und ich bin glücklich, dass Anna einen so guten Umgang mit ihr gefunden hat. Meine Tochter, die vier Sprachen beherrscht, betrachtet mich als Freund, sie vertraut mir, redet mit mir über alles, hat viele, viele Fragen. Ich denke, ich bin ein guter Zuhörer.
Keine Konflikte?
SCHROTT: Na ja, wenn plötzlich irgendein Boyfriend auftaucht . . . Ich bin sehr eifersüchtig auf meine Mädchen.
Anna Netrebko schwört auf ein besonderes Gesundheitselixier. Ahnen Sie, worauf?
SCHROTT (brummt): Ja, ja. Wodka.
Und Sie?
SCHROTT: Drei, vier Liter Wasser pro Tag sind besser. Und wenn's mir wirklich einmal sehr schlecht geht, bevorzuge ich ein Rezept meiner Mutter. Honig in einen Topf, dazu Ginger, Basilikum und Zitrone. Alles gut zusammenrühren, und dann noch einen Schuss Kognak rein.
Sie kommen aus Uruguay, Anna Netrebko kommt aus Russland, momentan wohnen Sie in Wien oder treiben sich am Semmering herum. Wenn Sie jemand fragt: Wo sehen Sie Ihren Lebensmittelpunkt?
SCHROTT: Mein Lebensmittelpunkt ist die Musik. INTERVIEW: LUIGI HEINRICH















