"Glaube Liebe Hoffnung" als Kommentar zur Krise
Ein Höhepunkt zum Abschluss der Fest-wochen: Christoph Marthaler präsentiert Horváths "Glaube Liebe Hoffnung" als Kommentar zur Krise.

Foto © APARecht seltsame Wesen bilden den Menschenzoo in Horváths "Glaube Liebe Hoffnung"
Der Münchner Gerichtssaalreporter Lukas Kristl drängte seinen Freund Ödön von Horváth, einmal ein Stück über "kleine Verbrechen" zu schreiben. Und erzählte ihm die Geschichte von einer jungen Frau, die zu einer dreimonatigen Gefängnisstrafe verurteilt wurde, weil sie das von einem Bekannten geliehene Geld nicht zur Erwerbung eines Wandergewerbescheins verwendete, sondern zur Zahlung einer Geldstrafe wegen einer vorherigen Vertretertätigkeit ohne Wandergewerbescheins. Das Gericht wertete dies als Betrug und griff ordentlich in den Schmalztopf.
Aus dieser wahren Begebenheit destillierte Horváth 1932 das Drama "Glaube Liebe Hoffnung", das er im Untertitel einen "kleinen Totentanz" nannte. Wir begegnen also der jungen Elisabeth, die mit festem Willen daran geht, auf ehrliche Art Geld verdienen zu wollen und so den Existenzkampf bestehen zu können.
Für die Neuinszenierung dieses Stücks bei den Wiener Festwochen (in Coproduktion mit der Berliner Volksbühne, dem Schauspielhaus Zürich, dem Grand Théatre de la Ville de Luxembourg und dem Théatre de l'Odéon) hat Christoph Marthaler die Regie übernommen. Er verdoppelte nicht nur die Elisabeth (Olivia Grigolli und Sasha Rau), sondern auch einzelne Szenen, was nach Redundanz klingt, aber die Analyse befördert: lächerliche Titelsucht, maskuline Standesdünkel. Diese Elisabeths sind in dieser Zeit der Wirtschaftskrise an die falschen Männer geraten, die stellvertretend für die bürgerliche Gesellschaft stehen. Ueli Jäggi, Jean-Pierre Cornu, Ulrich Voß, Bettina Stucky, Irm Hermann, Josef Ostendorf und der Musiker Clemens Sienknecht zaubern eine sich auflösende Untergangsgesellschaft auf die von Anna Viebrock gebaute Bühne.
Marthaler scheint ein pessimistischer Zeitgenosse zu sein. Nach Elisabeths Selbstmord endet er mit einer Passage aus Horváths Zauberposse "Himmelwärts", in welcher der Astronaut Kasimir in Arkadien landet und dort auf eine klassenlose Gesellschaft trifft. "Wir haben keinen Staat mehr, wir bilden nur mehr einen Gesangsverein." - Der Utopievorrat ist. aufgebraucht. Am Ende heftiger Beifall.
Features
Zúm Stück
Glaube Liebe Hoffnung von Ödön von Horváth. Regie: Christoph Marthaler (Foto).
Termine: 16., 17., 18. Juni, 19.30 Uhr, am 17. auch um 14.30 Uhr. Halle E im MuseumsQuartier.
Karten: Tel. (01) 589 22 22.














