Springe zu: Inhalt | Hauptnavigation | Seitenleiste | Fußzeile
  • Zur Kärnten-Ausgabe
  • 16. April 2014 18:23 Uhr | Als Startseite
    Neu registrieren
    Landestheater Linz verkaufte 300.000 Karten NSA-Berichte mit Pulitzer-Preis ausgezeichnet Voriger Artikel Aktuelle Artikel: Kultur & Medien Nächster Artikel Landestheater Linz verkaufte 300.000 Karten NSA-Berichte mit Pulitzer-Preis ausgezeichnet
    Zuletzt aktualisiert: 09.06.2012 um 22:48 UhrKommentare

    Engagiert leben ohne Bedauern

    Der Regimekritiker Ai Weiwei sprach in seinem Pekinger Studio mit uns über das Leben nach seiner Festnahme, neue Formen des Protests und den Dokumentarfilm "Never Sorry", der ab Freitag auch in unsere Kinos kommt.

    Foto © KK

    Herr Ai, der über Sie gedrehte Dokumentarfilm heißt "Never Sorry" - kein Bedauern, ist das in ihrem Leben Wunsch oder Realität?

    AI WEIWEI: "Never Sorry" ist meine Grundeinstellung. Der Titel hat natürlich eine Geschichte. 2009 habe ich in München eine Ausstellung mit dem Titel "So Sorry" gemacht. Der Name bezog sich auf die faulen Entschuldigungen, die wir so häufig von Politikern und Beamten hören. Wer "Tut mir leid" sagt, versucht sich damit oft aus der Verantwortung zu stehlen. Ich versuche, das Gegenteil zu leben: Verantwortung und Engagement.

    Dafür haben Sie einen hohen Preis bezahlt. Ihre Festnahme vor einem Jahr war für Sie und Ihre Familie ein schwerer Schlag. Haben Sie nie bereut, mit Ihren politischen Aktivitäten so stark an die Öffentlichkeit getreten zu sein?

    AI: Natürlich gibt es Dinge, die ich bedauere, aber bereuen, nein. In meiner Kindheit erlebte ich, wie schwierig das Leben für die Generation meines Vaters war, für Intellektuelle und jeden unabhängigen Geist. Damals wäre ich für meine Aktionen vielfach zum Tode verurteilt worden, das ist kein Witz. Gemessen daran leben wir heute durchaus in einer liberaleren Zeit.

    Trotzdem hat die Partei versucht, Sie mundtot zu machen. Seit Ihrer Freilassung vor einem Jahr können Sie sich kaum noch in der Öffentlichkeit äußern.

    AI: Ja, ich muss jetzt kürzertreten. Ich äußere mich zwar immer noch im Internet und gebe das eine oder andere Interview, aber viel weniger als früher. Zudem darf ich nicht reisen. Also bleibe ich meistens zu Hause. Ich gehe höchstens in den Park, um ein bisschen Bewegung zu machen.

    Die eine oder andere kritische Aktion können Sie sich dennoch nicht verkneifen: Zum Jahrestag Ihrer Verhaftung haben Sie in Ihrem Studio Überwachungskameras installiert und die Bilder direkt ins Netz gestellt - eine offene Anspielung auf staatliche Kontrolle.

    AI: Die Idee drängte sich auf, weil ich ja ständig überwacht werde. Rund um mein Haus sind 15 Kameras angebracht. Jeder, der hier rein- oder rausgeht, wird identifiziert. Im Gefängnis waren in meiner Zelle drei Kameras. Während meine Familie nicht wusste, wo ich bin und wie es mir geht, konnten die Beamten mich jede Sekunde beobachten. Als Erinnerung daran habe ich dann am Jahrestag meiner Festnahme selbst Kameras aufgebaut: in meinem Schlafzimmer, im Büro, auch hier im Garten. Jeder, der sich für mich interessiert, sollte sehen können, was ich so mache. Im Internet haben sich das innerhalb von 48 Stunden 5,2 Millionen Menschen angeschaut. Schließlich haben die Behörden es nicht mehr ausgehalten und mir gesagt: Bitte schalte das ab! Das habe ich dann auch gemacht.

    Früher hätten Sie doch dafür gekämpft, dass Sie in Ihrem Haus tun und lassen können, was Sie wollen.

    AI: Stimmt.

    Die Zeit der offenen Konfrontation ist also vorbei?

    AI: Ich denke, ich habe kommuniziert, was ich kommunizieren wollte. Dass ich damit nicht die Welt verändere, ist mir klar. Aber als chinesischer Staatsbürger muss ich mich an die hier geltenden Regeln halten. Die Polizei ist sehr mächtig. Ich habe keine andere Wahl, als ihre Anweisungen zu befolgen. Aber ich lerne aus diesen Schwierigkeiten und entwickle dadurch eine neue Denkweise, eine neue Art der Kommunikation.

    Wie sieht die aus?

    AI: Neulich habe ich zum Beispiel die Polizisten eingeladen, bei mir im Büro zu arbeiten. Ich habe ihnen gesagt: "Dass ihr mich ständig ausspioniert, ist völlig ineffizient. So bekommt ihr doch gar nicht all die Informationen, die ihr wollt, oder ihr zieht daraus die falschen Schlüsse. Also zieht doch bei mir ein. Und wenn ich eines Tages wieder reisen darf, dürft ihr mich auch gerne begleiten, als meine Assistenten, und auf mein Benehmen aufpassen". Aber natürlich haben sie meine Einladung nicht angenommen.

    Was würden die Polizisten denn sehen, wenn sie bei Ihnen einziehen würden?

    AI: Wir bereiten gerade eine große Ausstellung in Washington vor. Das wird eine Werkschau, mit alten und neuen Arbeiten. Wir haben aber auch noch andere Projekte: Ausstellungen, Bücher und Filme.

    Wie gefällt Ihnen persönlich der Film "Never Sorry"?

    AI: Ich mag ihn. Es ist eine ehrliche Dokumentation meines Lebens der vergangenen zwei, drei Jahre. Das Publikum kann darin viel über China lernen: über die gegenwärtige Situation, über das Rechtssystem und darüber, wie schwierig es ist, in China als Individuum die Macht infrage zu stellen. Nun ja, "schwierig" ist eigentlich nicht das richtige Wort. Ich sollte "unmöglich" sagen.

    Wie optimistisch sind Sie für Chinas Zukunft?

    AI: Sehr optimistisch! Chinas junge Generation, die in den 80er- und 90er-Jahren aufgewachsen ist, lebt schon in einer ganz anderen Welt. Das Internet hat sie in vieler Hinsicht befreit und immer mehr Menschen studieren im Ausland. Das wird China verändern.

    Und wie geht es eigentlich für Sie persönlich weiter? Ihr Verfahren wegen angeblicher Steuerhinterziehung ist ja noch immer nicht abgeschlossen.

    AI: Ich habe jetzt meinerseits das Pekinger Steueramt verklagt, und das Gericht hat den Fall auch angenommen. Wir warten jetzt auf den Verhandlungstermin.

    INTERVIEW: BERNHARD BARTSCH, PEKING

    "Never sorry"

    Drei Jahre erlaubte Ai Weiwei der US-Dokumentarfilmerin Alison Klayman, ihn zu begleiten und mit vielen seiner Weggefährten zu sprechen. Ihr eindrückliches Porträt "Never Sorry", das Ai als Künstler, Aktivisten und Familienmenschen zeigt, lief auf der Berlinale und erhielt einen Sonderpreis beim Sundance Film Festival. Ab Freitag kommt der 91-minütige Film auch in unsere Kinos.

    Mehr Kultur & Medien

    Mehr aus dem Web

      Das Ende einer Ära

      Ein Rückblick auf 33 Jahre „Wetten, dass…?: Die schönsten Bilder, lustigsten Wetten und Reaktionen auf das Show-Ende!

       

      Events & Tickets

      Die besten Events in Kärnten und der Steiermark. Plus: Tickets für alle Veranstaltungen in ganz Österreich online bestellen.



      KLEINE.tv

      Berlin im "Spider-Man"-Fieber

      Die Stars von "The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro" haben am Diens...Noch nicht bewertet

       


      Kultur-Fotoserien

      Dancing Stars: Bilder von der Show sechs 

      Dancing Stars: Bilder von der Show sechs

       

      World Press Photo

      AP/Paul Hansen

      Erschütternde Augenblicke: Männer halten eine Zweijährige und ihren drei Jahre alten Bruder in den Armen: Beide Kinder starben bei einem israelischen Luftangriff. Diese und ähnlich bewegende Aufnahmen überzeugten eine internationale Jury.

       

      Peter Rosegger-Jahr

      Landesarchiv

      Im Jahr 2013 feiert die Steiermark den 170. Geburtstag von Peter Rosegger (1843-1918) mit zahlreichen Projekten, Veranstaltungen und Aktivitäten.

      Kino-Fotoserien

      MTV-Filmpreise: Die Show 

      MTV-Filmpreise: Die Show

      Bibliothekenführer

      APA


      Seitenübersicht

      Zum Seitenanfang