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Zuletzt aktualisiert: 09.06.2012 um 22:51 UhrKommentare

Grauer Himmel und musikalische Farbtupfer

Regen setzte immer wieder ein, auch bei den Shows der Headliner, Die Toten Hosen und Limp Bizkit, könnte das Publikum laut Prognosen der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik am Abend nass werden - die Begeisterung für das Open Air überwog dennoch.

Die meisten haben ihren Spaß in Nickelsdorf

Foto © APADie meisten haben ihren Spaß in Nickelsdorf

Der Himmel präsentierte sich am zweiten Nova-Rock-Tag in Nickelsdorf im Burgenland grau in grau. Dafür wurde den anfangs müden, dann immer motivierteren Besuchern ein recht buntes Programm geboten. Trotz längerer Regenphasen stieg die Stimmung bei Kasabian und vor allem Cypress Hill zunehmend an. In den Nachstunden wurden noch Billy Talent, Limp Bizkit und vor allem Die Toten Hosen erwartet. Nach einem tragischen Todesfall am Freitag ortete das Rote Kreuz am Samstag "keine groben Zwischenfälle".

Der absolute Publikumsrenner

Cypress Hill waren ein absoluter Publikumsrenner, das Areal vor der "Blue Stage" füllte sich beim Auftritt der amerikanischen Hip-Hop-Crossover-Rapper zum ersten Mal bis in die hinteren Bereiche. Groovende und mitunter politisch unkorrekte Nummern wie "How I Killed A Man" oder "Tequila Sunrise" brachten die Fans zum Tanzen. Die bekennenden Kiffer nutzten die Bühne einmal mehr, um für die Legalisierung von Marihuana einzutreten: Vor "Roll It Up, Light It Up, Smoke It Up" rollte sich Rapper B-Real einen Joint und verkündete, high wie ein Flugzeug am Himmel abheben zu wollen. Dem Großteil des Publikums gelang dies allein mit den ansteckenden Rhythmen der Formation.

Apropos: Laut Thomas Horvath, Sprecher des Roten Kreuzes, gab es am Samstag für die Größenordnung der Veranstaltung relativ wenige und hauptsächlich wenig gravierende Einsätze. "Das Wetter spielt da sicher mit, die Leute trinken weniger Alkohol als bei Sonnenschein, viele blieben tagsüber in ihren Zelten". Auch Bernhard Griensteidl, Einsatzleiter der Polizei, zog eine zufriedene Bilanz: "Im Großen und Ganzen passt es." Einem Besucher, dem ein Barkeeper im Streit am Freitag einen Sektkübel auf den Kopf geschlagen hat, ging es "dem Umständen entsprechend gut".

Everlast, mit zunehmenden Alter immer geschmeidiger im Sound, gab am Nachmittag eine entspannte Darbietung. Mit seiner Reibeisenstimme sang sich der Amerikaner irischer Abstammung durch ein Crossover aus Blues, Bluegrass, Singer-Songwriter, Rock, Folk, Country und Hip-Hop. Letzter kam beim Gassenhauer "Jump Around" (von seiner früheren Band House Of Pain) durch. Ein weiterer Höhepunkt im stimmigen Set war "Put Your Lights On" - sehr fein.

Ihre führende Rolle im Britpop unterstrichen Kasabian mit einer fulminanten Show, die auch ohne den Lichteffekten, die sich im vergangenen Jahr beim Frequency Festival aufgefahren hatten, bombastisch wirkten. Mit Hymnen wie "Shoot The Runner" und "Where Did All Your Love Go" bekamen die beiden Chefs Tom Meighan (Gesang) und Sergio Pizzorno (Gitarre und Gesang) die Menge schnell in den Griff. Beide zeigten sich gut gelaunt, der Sound passte auch - man durfte feiern.

Donnergrölen auf der "Red Stage"

Härtere Kost bot dagegen der zweite Hauptschauplatz, die "Red Stage", wo Machine Head wie eine eine Heavy-Metal-Dampfwalze loslegten. Da kochte das Rockerherz. Zuvor hatten u.a. die Prog-Metaller Opeth und Dimmu Borgier den nassen Fans eingeheizt. Bis Die Toten Hosen am Programm standen, sorgten Billy Talent mit ihren Stadien erprobten Hits ("Red Flag", "Fallen Leaves") für Donnergrölen - allerdings bei endlich trockenem Wetter.

Trotz der mitunter widrigen Umstände setzten auch heuer wieder zahlreiche Gäste auf sehr leichte Kleidung oder ausgefallene Kostüme. Ein Bursch als "Hello Kitty" wurde milde belächelt. Den Vogel schoss aber ein anderer ab: Nackt unter einem Schild mit der Aufschrift "Das Ende naht" läutete er mit einer Glocke den Weltuntergang ein. Das mitunter schlammige Areal weckte ohnehin Armageddon-Assoziationen.


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