Herr Karl in Walhalla
Bei den Festwochen zeigt Kino-Könner Ulrich Seidl, dass filmerprobte Methoden an einem Theater verdammt langweilig wirken können.
Ein kühler Kellerraum mit Sicherungskästen, Spinden und einer Aufseherkabine. Sieben Männer, nehmen befristetes Quartier. - So weit, so Marthaler. Aber wir sind bei Ulrich Seidl, dem Filmextremisten und Cannes-Kandidaten 2012.
Im Auftrag der Wiener Festwochen und der Münchner Kammerspiele hat Seidl auf Basis von David Foster Wallace's "Interviews mit fiesen Männern" ein Stück montiert: "Böse Buben /Fiese Männer" heißt es und wurde nun in Wien uraufgeführt.
Es sind wahrhaft traurige Gestalten, meist Beziehungswracks mit bleichen Gebrauchtkörpern. Einer nach dem anderen tritt an, um seine persönliche Geschichte und seine (meist sexuellen) Nöte und Träume vorzutragen. Am beindruckendsten gelingt das dem Laiendarsteller René Rupnik, bekannt aus Seidls "Busenfreund": Er ist der missgünstige Herr Karl unter den Sexmaniacs, frauenverachtend und egoman.
Aber auch Georg Friedrich, Lars Rudolph und Michael Thomas sorgen für ebenso berührende wie abstoßende Momente.
Walhalla
Wäre das Ganze eine Oper, würde man es wohl eine konzertante Aufführung nennen. Es gibt kaum Interaktion, die textfreien Passagen gehorchen einer seltsam starren Choreografie. Egal ob es sich um das Absingen treudeutscher Lieder oder um bizarre Leibesübungen handelt. Ideologisch ist alles eher mit Walhalla als mit Wallace hinterlegt.
Unnötig quälende, pausenlose zweidreiviertel Stunden währte der Premierenabend. Vermutlich hatte der Filmregisseur Seidl vergessen, dass es am Theater keine Postproduction gibt, im Zuge derer man unnötiges Handlungsfett herausschneiden kann. Außerdem haben die Querelen mit dem dann ausgeschiedenen Paulus Manker die Sache nicht besser gemacht bzw. die Probenzeit beeinträchtigt, was leider durch die Bank spürbar ist.
Am Ende gab es eher kurzen (erleichterten?) Applaus für die Darteller und ein paar kräftige Buhs für die Regie.














