Rollenspiele, erotisch und sadistisch
Luca Francesconis sinn-liche Oper "Quartett".
WIEN. Zwei Personen singen ein Quartett: Die Briten Allison Cook (Mezzosopran, Marquise de Merteuil) und Robin Adams (Bariton, Vicomte de Valmont) wechseln ihre Persönlichkeiten in Verlauf von Heiner Müllers "Quartett" (1981) nach Choderlos de Laclos' "Gefährliche Liebschaften"(1782), das Luca Francesconi (56) zur Oper gestaltet hat.
Die Koproduktion der Wiener Festwochen mit der Mailänder Scala zeigt im Museumsquartier Müllers fantastische Wortkraft leider nur in deutschen Einblendungen, Gesangssprache ist unter Verlusten Englisch. Allison Cook ist die noch etwas präsentere Figur im kleinen schwarzen Bühnenzimmer, das vom Katalanen Alfons Flores wie in die Mitte eines Nadelkranzes hochgespannt ist. Alles ist (meist sadistisches) Spiel im Spiel, bis Merteuil, nachdem Valmont ihre Nichte Volanges verführt hat, beim Anblick des Vergifteten seufzend Erlösung findet. Erlösung durch Erkenntnis: Die Marquise bricht in der pointierten Inszenierung des Katalanen Àlex Ollé von der Gruppe "La Fura dels Baus" Bücherstapel aus den schwarzen (Gefängnis-)Wänden.
Das Kammerensemble der Akademie Teatro alla Scala unter Peter Rundel entfaltet Francesconis extrem sinnliche Tonsprache samt Elektronik punktgenau und lebendig. HERBERT SCHRANZ
"Quartett" von Luca Francesconi.
Heute und morgen., 19.30 Uhr, Halle E, MuseumsQuartier, Wien. Karten: Tel. (01) 589 22 22. www.festwochen.at















