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Zuletzt aktualisiert: 26.05.2012 um 11:44 UhrKommentare

Kontroverser "Giulio Cesare" in Salzburg

Foto © APA

Am Ende gab es Buh-Rufe für die Regie, aber die waren ungerecht: Denn wie Moshe Leiser und Patrice Caurier Georg Friedrich Händels Oper "Giulio Cesare in Egitto" ins Haus für Mozart gebracht haben, war witzig, opulent, sinnstiftend und derart unterhaltsam, dass der fünfstündige Opernabend am Freitagabend bei den Salzburger Pfingstfestspielen unerwartet schnell vorüber ging.

Dazu trugen ganz entscheidend auch die Solisten bei. Cecilia Bartoli scharte vier Weltklasse-Countertenöre um sich, und auch die Orchesterbegleitung war bei Giovanni Antonini und Il Giardino Armonico in allerbesten Händen. Trotz der partiellen Ablehnung des Premierenpublikums hat die neue künstlerische Leiterin Cecilia Bartoli mit ihrer ersten Produktion für Salzburg einen beeindruckenden Start hingelegt.

Zugegeben, die Regisseure Moshe Leiser und Patrice Caurier sowie Christian Fenouillat (Bühne) und Agostino Cavalca (Kostüme) haben reichlich dick aufgetragen. "Cleopatra" Cecilia Bartoli ist Domina im Lederkorsett und packt ihre Dienerin schon mal von hinten. "Tolomeo" Christophe Dumaux greift sich permanent in die Hose und onaniert mit einem großformatigen Herrenmagazin. Davor wühlt er in den knackwurstartigen Gedärmen seiner Feinde und füttert ein Riesenkrokodil mit deren Köpfen. "Cesare" Andreas Scholl fährt mit einem Jaguar auf die Bühne. Kunterbunte Riesenbomben detonieren, Maschinengewehre knattern, und am Ende rollt doch glatt ein echter Kampfpanzer der Deutschen Bundeswehr aufs Schlachtfeld im Haus für Mozart - was für ein Spektakel.

Händels Historien-Oper dreht sich ja tatsächlich um Machtgier, blutrünstige Rachsucht, Intrige, ein Durcheinander an pathetischer Liebe und Begierde mit haufenweise dahingemetzelten Römern und Ägyptern. Die Regisseure haben die Oper also wörtlich, aber nicht tierisch ernst genommen. Im Gegenteil, es sind Humor und augenzwinkernde Ironie, die diese Inszenierung rundum gelungen und kurzweilig machen. Mancher Gag mag übertrieben sein, mancher Klamauk und mancher Ramsch auf der Bühne kann als entbehrlich empfunden werden. Aber unter dem Strich haben Leiser, Caurier und ihr Team nicht billige Effekte gehascht, sondern eine im Grunde entsetzlich altmodische Geschichte mit einer kunterbunt-kreativen Frischzellenkur greifbar gemacht.

Keine Frage, ohne die Musiker auf der Bühne hätte das alles nichts genützt und wäre leerer Kanonendonner geblieben.

Quelle: APA

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