Oma-Mania in Aserbaidschan
Der 57. Song Contest in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku ist nicht nur ein Treffen himmelhoher Absätze: Warum sechs udmurtische Großmütter halb Europa entzücken.

Foto © APDie rüstigen Damen aus Russland
So haben Song-Contest-Finalistinnen auszusehen: Wallemähne, Schlauchbootlippen, himmelhohe Absätze, couragiertes Dekolleté.
Und nicht so: Kopftüchlein, tiefe Lachfalten, selbst genähte Strohpantoffeln, handbestickte Tracht. Und doch sind die Buranovskiye Babushki, die Großmütter aus Buranowo, die späten Wunderkinder dieses Eurovision Song Contest, mit ihrer fröhlichen Hymne "Party for Everybody" über Nacht zu Publikumslieblingen einer 120 Millionen starken Fangemeinde avanciert.
Karrierekick Youtube
Wie es die Vertreterinnen Russlands geschafft haben, sich aus ihrem 600-Seelen-Dörfchen im udmurtischen Nirgendwo auf die Finalbühne in Baku zu beamen, mutet tatsächlich wie ein kleines Wunder an. Seit Jahrzehnten singen die acht alten Damen gemeinsam. Und zwar nicht nur Volkslieder, sondern auch Songs wie "Yesterday" von den Beatles oder "Smoke On The Water" von Deep Purple - allesamt auf Udmurtisch übersetzt. Ein Video davon fand den Weg auf Youtube, und von dort führte der Weg 2010 erstmals zum russischen Song- Contest-Vorentscheid in Moskau. Den haben sie heuer gewonnen - immerhin gegen Dima Bilan, Russlands schönem Song-Contest-Sieger von 2008.
Dass in Baku Samstagabend nur sechs der acht bezaubernden Omis auf der Bühne stehen, liegt am strengen Reglement des Bewerbs. Und daran, dass Jelisaweta Sarbatowa (86) sowieso nicht mehr mit auf Tournee geht. Der Rest der coolen Gang ist zwischen 43 und 76 Jahre alt und liefert eine Show, die so exotisch ist wie die Erfolgsgeschichte der Hobbysängerinnen.
Lehmofen
Auf der Bühne werden frische Perepetschi (Teigtaschen) direkt aus einem Lehmofen serviert. Das hat mit dem Inhalt des Songs zu tun: "Wir singen darüber, wie wir den Tisch decken für unsere Kinder, die nun in der Stadt wohnen und zu Besuch kommen. Und dass wir ein Fest feiern und singen, wenn sie endlich da sind", verriet die 76 Jahre alte Natalia Pugatschjowa unlängst im Deutschlandfunk. Den englischen Refrain haben die singenden Babushki übrigens rein phonetisch gelernt; außer Russisch sprechen sie nur Udmurtisch. Die Muttersprache von rund 500.000 Menschen im westlichen Uralgebiet ist dem Finnischen verwandt - und so, wie es aussieht, kein Hindernis für europaweiten Erfolg: In den Wettbüros haben die Großmütter in den letzten Tagen mit den Langzeitfavoriten Schweden und Italien schon fast gleichgezogen.
Mit dem Geld, das hereinkommt, wird übrigens die Dorfkirche unterstützt.

















