Die Leuchtkraft des mädchenhaft hellen Soprans
Mojca Erdmanns erster Grazer Liederabend.
GRAZ. "Schlechtes Wetter" lautete nicht nur der Titel des ersten der zwölf Lieder von Richard Strauss, die an diesem Abend erklangen, sondern war auch die treffende Beschreibung der aktuellen Situation. Just die zartesten Pianissimopassagen des Harfensolostücks "Carnaval de Venise" untermalte prasselnder Platzregen auf das Dach des Stephaniensaales. Xavier de Maistre, der ungekrönte Weltmeister seines Instruments, ließ sich aber nicht beirren, und servierte die Virtuosennummer von Félix Godefroid ebenso bravourös wie zuvor schon das zweite Solostück seiner jüngsten CD, "Notte Veneziana" (Sony), die Fantasie "La Mandoline" von Elias Parish Alvars.
Ansonsten agierte er als sensibler Partner von Mojca Erdmann. Die deutsche Sopranistin, die am Pfingstmontag bei den Salzburger Pfingstfestspielen für Anna Netrebko einspringen wird, besitzt eine klare, mädchenhaft hell timbrierte lyrische Stimme, die zumal in der Höhe enorme Leuchtkraft entwickeln kann. Bei ihrem Musikvereinsdebüt mit Liedern von Franz Schubert, Felix Mendelssohn Bartholdy und Richard Strauss beeindruckte sie mit der schlichten Natürlichkeit ihres stets sehr kontrolliert wirkenden, nuancenreichen Vortrags. Zu vorbildlicher Wortdeutlichkeit gesellen sich bei ihr technische Souveränität und wunderbar ebenmäßige Stimmführung.















