Schäferstunde mit Cocktail & Facebook
Händels "Alcina" auf der schaubühneGRAZ lockt junge Talente auf die Insel zu barocken Rhythmen und Breakdance.

Foto © KREUZERChristina Stegmaier (links) als Händels "Alcina" in Graz
Als "Vision" vom "friedlichen, freudigen Miteinander" versteht Regisseur Christian M. Müller trotz finalem Scheitern das Stück von der morgenländischen Prinzessin und den in Steine oder wilde Tiere verwandelten Kreuzzugrittern. Mit "Alcina" spannt die schaubühneGRAZ im TTZ einen Bogen ins Heute. Famos meistern der virtuose Jure Perko und Yi Sheng Wang die Symbiose von Breakdance mit barocken Rhythmen des stimmigen Orchesters unter dem Cembalisten Marco Vitale.
Junge Musikschaffende mit Stirntattoos stellt die Inszenierung vor und geizt nicht mit aktuellen Moden auf der Cocktailparty-Insel. Wobei das Posten auf Facebook eher nur die vordersten Sichtplätze erreicht und die Video-Einblenden auf den hellen Tüllvorhängen verschwimmen. Das macht die Atmosphäre nebelig. Passend zur Produktion, die statt Leidenschaft und erotischer Genusssucht jugendliche Verzauberung und labiles Liebestaumeln verströmt.
Ausdrucksstark
Mühelos bewältigt Eva Eiter in der Hosenrolle des Ruggiero die Koloraturen. Antonia Zangger legt viel Gefühl in die Morgana. Titelheldin Christina Stegmaier besticht: ausdrucksstark ihre wütenden Hexenparts, glühender Sopran in den tragischen Momenten einer verlassenen Frau. Mangelt es Counter Christoph List als "Brad Amante" an Feuer, verleiht Tomaz Kovacic seinem Melisso ritterliche Bassstärke. Als von Moskitos geplagter Inseleindringling gibt er obendrein einen vifen Entertainer ab im Zauberreich.
Neben musikalischem Vergnügen von vorwiegend Sopran und Streichern spielt die um die meisten Rezitative gekürzte Fassung der Barockoper auf Rittergeschichten als Vorläufer unserer Serien und Georg Friedrich Händel als "Unterhaltungsindustriellen" seiner Zeit an.














