"Schande": Kultur der Demütigung
WIEN. Am Anfang steht eine brutale Vergewaltigung: Lucy, Tochter eines Kapstädter Literaturprofessors, wird Opfer ihrer schwarzen Nachbarn, ihr Vater David, nach der Affäre mit einer Studentin in Unehren entlassen, ist hilfloser Zeuge des grausamen Akts. "Szégyen - Schande" nach J.M. Coetzees viel diskutiertem Roman gerät in der Inszenierung des Budapester Regisseurs Kornél Mundruczó zur extrem körperlichen, alle Distanzschwellen überschreitenden Studie über die kausalen Zusammenhänge der Demütigungskultur der Apartheid mit den Gewaltexzessen der Gegenwart. Nur wer zum totalen Schuldeingeständnis bereit ist, heißt es gegen Ende, kann neu anfangen, ganz unten, "ohne Würde, wie die Hunde". Fantastische Schauspielerleistungen lassen fast vergessen, dass sich in dem beinahe zweieinhalbstündigen Stück etliche Redundanzen einschleichen. UTE BAUMHACKL
"Szégyen - Schande". Nach J.M. Coetzee. Heute und morgen, Halle G, MuseumsQuartier Wien. Tel. (01) 589 22 22.















