Seidls Beitrag bei Festspielen in Cannes gezeigt

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Mit Spannung wurde der erste von zwei österreichischen Wettbewerbsbeiträgen bei den Filmfestspielen in Cannes erwartet - und Ulrich Seidls "Paradies: Liebe" hat die Erwartungen nicht enttäuscht. Nüchternen Blicks folgt er einer österreichischen Sextouristin in Kenia, die aus Sehnsucht nach echten Gefühlen das sexuelle Geschäft mit Liebe verwechselt und nach und nach desillusioniert wird.
Den Ausbeutungskreislauf zeigt Seidl, ohne dabei zu werten oder zu urteilen, ebenso den Berg an Vorurteilen, der die weit verbreitete europäische Haltung gegenüber Afrika verdeutlicht. Bei der ersten Pressevorführung am Donnerstag gab es kurzen, intensiven Applaus mit vereinzelten Buh-Rufen, heute folgte die offizielle Premiere des Films.
In der Hauptrolle agiert Margarethe Tiesel (links im Bild), die als Teresa auf der Suche nach ein bisschen Glück ist und von einer gewissen exotischen Neugierde getrieben bald als "Sugar Mama" junge kenianische Männer am Strand des Ressorts begleitet. Während die erste Kontaktaufnahme noch an der fehlenden Zuneigung scheitert, hat Teresa mit Munga (Peter Kazungu) scheinbar mehr Glück: Munga ist nicht so aufdringlich wie die anderen "Beach Boys", spricht nicht gleich von Geld, führt sie durch sein Heimatdorf und lädt sie spielerisch und mit notdürftigen Deutschkenntnissen schließlich auch zum Austausch von Intimitäten ein. Von Liebe ist die Rede, denn "die Liebe endet nur in Europa, nicht in Afrika". Hakuna matata, alles kein Problem.
Aber dann kommt dennoch bald Geld in Spiel, wird für erkrankte Verwandte gesammelt, verwandelt sich die sexuelle in finanzielle Zuneigung. Teresa und ihre Freundinnen nehmen sich dabei die ganze Zeit über nicht unbedingt als Sextouristinnen wahr. Wie oft hat man sich zu Hause für Männer verbogen, sich aus Attraktivitätsgründen geschunden? Das spiele in dem afrikanischen Land keine Rolle, erklärt Teresas Freundin (Inge Maux) in Kolonialfrauenmanier. Hier könne frau sein, wie sie wolle. Und so werden die daheim Ausgebeuteten selbst zu Ausbeutenden, bis sie in diesem ewigen Kreislauf selbst wieder zu Opfern ihrer eigenen Ausbeutung werden. Mit Liebe hat das alles wenig zu tun, und auch das Paradies stellt man sich wohl anders vor.
Die Dialoge sind zur Gänze improvisiert, was einen dokumentarischen Ansatz durchschimmern lässt, auch wenn die Grundgeschichte natürlich vorgegeben ist. "Die Zusammenführung von Zufälligkeiten zu einer Art geplanten Inszenierung, das reizt mich sehr", erzählte Seidl am Donnerstagabend an der Croisette der APA.















