Superlative für Seidls "Paradies: Liebe" in Cannes

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Mit Ulrich Seidls Wettbewerbsbeitrag "Paradies: Liebe" haben die Filmfestspiele in Cannes erst richtig begonnen. So urteilte eine türkische Journalistin bei der Pressekonferenz des österreichischen Regisseurs und seiner Crew, die am Freitag zwar keine Massen anzog, dafür aber durchwegs Superlative bot.
"Abstoßend und erhaben schön (...) ist der Film abscheulich und ein Meisterwerk zugleich", urteilte etwa das US-Filmmagazin "Variety", das von "Salo mit Sonnenbrand" sprach. Und eine Journalistin der "Washington Post" erkundigte sich sogar nach der Adresse des kenianischen Hotels, in dem die österreichischen Sextouristinnen im Film nach Liebe und willigen "Beach Boys" suchen. "Das ist leider letztes Jahr abgebrannt", musste Seidl enttäuschen.
Ihre Frage nach einer pessimistischen Grundhaltung des Regisseurs konnte Seidl ebenfalls nicht bejahen. "Pessimismus ist kein Kriterium für mich, Pessimismus ist für mich weder besser noch schlechter als Optimismus. Es geht für mich darum, die Dinge so darzustellen, wie ich sie sehe, Gesellschaftssysteme so realistisch zu porträtieren, wie es geht."
Hauptdarstellerin Margarethe Tiesel, die viel Lob für ihre Performance und ihren Mut zur Nacktheit erhielt, gestand, dass ihr die Rolle nicht ganz leicht gefallen war. "Es ist nicht leicht, über die eigene Schamgrenze zu gehen, da braucht es erst einmal Überwindung. Aber Ulrich hat mir gesagt, dass ich nichts tun muss, das ich nicht auch tun will." Sextourismus ist für Tiesel allerdings nur vordergründig das Thema. "Es geht um die weibliche Einsamkeit, wenn man als Frau älter wird und nicht mehr so aussieht wie die Frauen in den Magazinen. In Afrika ist es egal, wie man aussieht, solange man eine weiße Haut hat. Ich urteile nicht über diese Frauen, ich verstehe sie."















