"La Clemenza di Tito" an der Wiener Staatsoper

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Jürgen Flimm hat bei der ersten "La Clemenza di Tito" seit 20 Jahren in der Wiener Staatsoper den Fokus auf die persönlichen Motive hinter Machtstreben und -ausübung, weniger auf die durch und durch inkorporierte Milde der Titelfigur gelegt. Während dieses Regiekonzept mit einem wütenden Buh-Sturm bedacht wurde, gönnte das Publikum den grandiosen Stimmen des Ensembles einen warmen Bravoregen.
In Flimms Interpretation von Mozarts Spätwerk ist die imperiale Szenerie bereits am Bröckeln. Etwa schäbig wirken die mobilen Stellwände aus Gemälde und Bespannungspartikeln, welche die Bühne variabel teilen, bisweilen Raumfluchten schaffen, als Bollwerke dienen oder das Geschehen zur Feuermauer öffnen. Noch dazu liegt dieser fragmentierte Raum meist ein wenig im Nebel, hinter Gazevorhängen, entzieht sich der klaren Apologie des gerechten Herrschers.
Ihm gegenüber steht als Freund und zugleich Attentäter die Sängerin Elina Garanca als Sesto. Eine sicherere, verlässlichere Tiefe, die bei den Koloraturen zugleich hohe Beweglichkeit zeigt, findet sich nur schwer in der Opernwelt. Frappant bleibt aber ebenso das darstellerische Potenzial dieser eleganten Frau, die doch zugleich wie kaum eine Zweite in Hosenrollen überzeugend den Mann gibt - ohne dabei in übertriebene Karikaturen eines Testosteronganges zu verfallen.
Die Gegenspielerin Vitellia legte Juliane Banse als elegante Intrigantin an, die rachsüchtige Zicke mit bisweilen stechendem Sopran untermauernd. Zugleich schimmerte auch hier hinter der Oberfläche die Verletzlichkeit aus der ambivalenten Frau.
Einen beeindruckenden Einstieg in der Staatsoper gab bei ihrem Hausdebüt die 1985 geborene Italienerin Serena Malfi als Annio. Den Mann nimmt man ihr im Gegensatz zu Garanca zwar auf 100 Meter Entfernung nicht ab, sie überzeugte jedoch mit nachgerade saftigem Mezzo. Als Geliebte Servilia sang an ihrer Seite Chen Reiss, eine der aufstrebenden Stimmen im Ensemble, die mit ihrem glasklaren Sopran zu Recht immer mehr Anhänger gewinnt, was sich am euphorischen Schlussapplaus zeigte. Auch die zweite Staatsopern-Ensemblehoffnung Adam Plachetka als mächtiger, wenn auch noch etwas unbeweglichem Bass Publio, wurde mit Wohlwollen bedacht.















