Kraftmeierei bei Wagners Ständchen
Orchester der Kunst-Uni bewies Podiumsreife.

Foto © KUG/WENZEL Jooan Mun: Bisserl laut bei "Siegfried-Idyll"
GRAZ. Wenn man bedenkt, dass Richard Wagner sein "Siegfried-Idyll" seiner Frau Cosima und Söhnchen Siegfried als eine Art Serenade gewidmet hat, dann hat sich der bei Martin Sieghart studierende Südkoreaner Jooan Mun am Pult des Orchesters der Kunstuniversität dynamisch ohne Dämpfer ein bisserl kraftmeierisch betätigt.
Als dann der ao. Prof. für Dirigieren, Wolfgang Dörner, für Graziella Contratto einsprang, wendete sich beim Karl-Böhm-Konzert das akustische Blatt: Subtil trug Dörner die Rüggeberg-Schülerin Marianna Szivkova aus Ungarn mit Eleganz durch Alexander von Zemlinskys flirrend-makabres Sopran-Drama "Maiblumen blühten überall". Ein kleines Juwel!
Voll in seinem Element zeigte sich Wolfgang Dörner bei Gustav Mahlers Vierter, lächelnd, sich biegend und wiegend, mitunter stampfend, alle Tempoangaben Mahlers aber, ob "bedächtig", "gemächlich" oder "ruhevoll", fast unmerklich beschleunigend. Holz und Schlagwerker erspielten packende Podiumsreife. Primgeiger Alexander Maisky aus Belgien handhabte geschickt die zwei Geigen (wegen der Skordatur im Scherzo). Die serbische Sopranistin Jelena Radoji malte die "himmlischen Freuden" im Finale mit vibratoarmem Wohllaut.














