Grazer Oper nimmt den Skandal ins Visier
Elisabeth Sobotka kündigt für ihre vierte Saison als Intendantin der Grazer Oper acht Premieren (fünf Opern, je einmal Tanz, Musical und Operette) und zwei Reprisen an.

Foto © Marija Kanizaj
Einen der größten Skandale des Musiktheaters löste am 29. Mai 1913 im Théâtre des Champs-Élysées in Paris die Uraufführung von Igor Strawinskys "Le sacre du printemps" aus. Hundert Jahre später stellt Darrel Toulon den Ballettklassiker in den Mittelpunkt der zentralen Tanzproduktion der kommenden Spielzeit in Graz. Der durch seine beiden Auftritte bei den Grazer Tanzgalas auf Anhieb zum Publikumsliebling avancierte junge Brite James Wilton choreographiert das "Frühlingsopfer". Altmeister Vasco Wellenkamp präsentiert seine Version von Claude Debussys "Nachmittag eines Fauns" und Ballettdirektor Darrel Toulon rundet den um den legendären Tänzer Vaslav Nijinsky kreisenden Abend mit Maurice Ravels "Daphnis et Chloë" ab.
Risiko des Jahres
Skandalträchtig wirkt auch die letzte der fünf Opernpremieren der nächsten Saison: Kurt Weills und Bert Brechts "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny" in der Inszenierung des spanischen Regieberserkers Calixto Bieito, die im Vorjahr in Antwerpen Premiere hatte. Elisabeth Sobotka nennt diese Produktion der von "Geld, Sex and Crime" handelnden Oper das "Risiko des Jahres" und hat sich wegen der "sehr radikalen Theatersprache" Bieixtos ("Es geht wirklich zur Sache") entschlossen, die Aufführung für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren nicht freizugeben.
Regiegrößen prägen auch ansonsten Sobotkas vierte Grazer Opernsaison: Stefan Herheim inszeniert zum Saisonauftakt Giacomo Puccinis "Manon Lescaut", Peter Konwitschny leitet selbst die Wiederaufnahme seiner Version von Verdis "La Traviata".
Erstmals in Graz inszenieren Brigitte Fassbaender (Humperdincks "Hänsel und Gretel"), Olivier Tambosi (Carl Millöckers Operette "Gasparone") und der "Ring"-Award-Finalist Damiano Michieletto ("Liebestrank").
Das Verdi-Jahr 2013 wird mit dem "Falstaff" gefeiert (James Rutherford gibt sein Debüt als Titelheld), zum 200. Geburtstag Richard Wagners folgt im Herbst zum Auftakt der übernächsten Spielzeit eine "Lohengrin"-Neuproduktion.
Der derzeit erkrankte Chefdirigent Johannes Fritzsch leitet mit "Falstaff" und "Aufstieg der Fall der Stadt Mahagonny" nur zwei Neuproduktionen sowie im Konzert die Grazer Erstaufführung der monumentalen "Gurre-Lieder" von Arnold Schönberg.
Bewähren müssen sich drei junge Dirigenten: Domingo Hindoyan aus Venezuela steht bei "La Traviata", "Hänsel und Gretel" und "Celebrating Sacre" am Pult. Der in Wien ausgebildete Argentinier José Miguel Esandi studiert den "Liebestrank" ein und übernimmt "Manon Lescaut" vom Premierendirigenten Michael Boder. Der 31-jährige Münchner Florian Erdl dirigiert die Wiederaufnahme von "My Fair Lady" und übernimmt "Liebestrank" und "Falstaff".
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Fakten
Die Grazer Oper bietet neun verschiedene Abonnements sowie zusätzlich vier unterschiedliche Konzertabonnements an.
Einzelkarten kosten zwischen 15 und 74 Euro.
Die Saison 2012/13 beginnt am 6. September und dauert bis 29. Juni 2013.















