"Tsunami Architecture" beim Crossing Europe

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Das Künstlerpaar Christoph Draeger und Heidrun Holzfeind hat für sein Projekt "Tsunami Architecture" zweieinhalb Monate lang die von der Flutkatastrophe 2004 am stärksten betroffenen Länder besucht. Die Ergebnisse ihrer Recherche zeigen die Artists in Residence des diesjährigen Filmfestivals Crossing Europe noch bis Sonntag in einer informativen wie berührenden Schau im Offenen Kulturhaus in Linz.
"Wir haben einen Brückenschlag gemacht", erklärte Holzfeind am Mittwoch vor Journalisten. Sie beschäftigt sich seit Jahren mit Architektur und ihr Lebensgefährte Draeger mit Katastrophen. Sechs Jahre nach dem Tsunami bereisten sie Thailand, Indonesien, Sri Lanka, Malediven und Südost-Indien - gemeinsam mit ihrem Kind. Im familienbewussten Asien sei das ein Türöffner gewesen, so Holzfeind. Vor Ort bot sich den Künstlern ein ambivalentes Bild: Einerseits bedeuteten die Neubauten für viele einen sozialen Aufstieg, andererseits wurden immer wieder kulturelle Eigenheiten nicht berücksichtigt. In Sri Lanka beispielsweise mussten Bewohner damit leben, dass sich die Toilette plötzlich nicht mehr außerhalb, sondern im Gebäude befand.
Die Schau startet mit dem Grundriss eines "Typical Tsunami House", der die Dimensionen gut erahnen lässt. Gerade einmal rund 30 Quadratmeter stehen in Indien einer mindestens fünfköpfigen Familie zur Verfügung. An die Ausstellungswände werden Holzfeinds Architektur- und Detailaufnahmen von Wohnbauprojekten projiziert. "Das ist ja Wahnsinn!", tönt es aus dem nächsten Raum. Ein zehnminütiges Video zeigt in Großaufnahme die Flucht eines deutschen Pärchens mit seinen beiden Kindern vor der Riesenwelle. Über drei Fernseher flimmern weitere Bilder der Katastrophe und des Wiederaufbaus. 60 Minuten dauert der angrenzende Hauptteil der Ausstellung, die titelgebende Dokumentation "Tsunami Architecture", in der Bewohner der betroffenen Regionen zu Wort kommen.
Am Gang, der die Räume verbindet, hängen Porträts Überlebender gegenüber von Fotos der Reihe "Voyages Apocalyptiques". Von 1994 bis 2011 hat Draeger Orte festgehalten, die von Katastrophen verschiedener Art heimgesucht wurden. Das Seilbahnunglück von Kaprun im Jahr 2000 wird genauso thematisiert wie der Tod von mehr als 5.000 Menschen beim Tsunami in Khao Lak oder die Attentate von pakistanischen Terroristen in Mumbai vor knapp dreieinhalb Jahren. Abgerundet wird die Ausstellung durch gefilmte Interviews zur Flutkatastrophe. Laut Offenem Kulturhaus ist eine umfangreiche Publikation geplant.















