An den Tasten und im Garten
Vom kleinen Mädchen aus Oakland zur intellektuellen Madame Bleythoven: Carla Bley, auch schon wieder 73, kommt nach langer Zeit wieder einmal in die Steiermark.
M isses Bley, betrachten Sie sich eigentlich als Jazzmusikerin?
CARLA BLEY: Ich glaube, ich schreibe und spiele Jazzmusik. Zugleich beweist meine Musik aber auch mein Interesse an vielen Arten von Musik - sie reicht von klassischer Musik bis zum Rock 'n' Roll.
Carla Bley war die Jazzmusikerin der Bildungsbürger der 70er. Finden Sie es als Kompliment, wenn wir Sie als "Sophisticated Lady" bezeichnen?
BLEY: Oh ja! Ich bin ein kleines Mädchen aus Oakland/Kalifornien, einer rauen, unkultivierten Stadt. Ich habe meine Grundausbildung mit 15 Jahren beendet, aber ich habe alles Mögliche unternommen, um mir Kultur und Manieren anzueignen.
Sagt man Carla Bley, muss man auch "Escalator over the Hill" sagen. Mit dieser poetisch surrealen und stilistisch collagierten Jazzoper haben Sie Geschichte geschrieben. Ist es ein Nachteil, so sehr mit einem einzigen großen Wurf verbunden zu werden?
BLEY: So ist es. Ich bin natürlich stolz, dass Escalator einen eigenen Platz in der Musik des letzten Jahrhunderts gefunden hat. Aber ich bin ja noch am Leben, und ich schreibe noch jeden Tag und produziere meine beste Arbeit jetzt. Ich bin eine späte Bleythoven.
Wird "Escalator" noch als Bühnenproduktion aufgeführt?
BLEY: Das letzte Mal vor fünf Jahren in Essen, wir hatten großen Spaß dabei. Ich habe dann viel Arbeit investiert, um die Partitur in eine bessere Form zu bringen. Das Stück könnte nun auch ohne meine Aufsicht gespielt werden. Und ich hoffe, es kommt dazu.
An welchen Projekten arbeiten Sie sonst noch gerade?
BLEY: Das ist ein sehr arbeitsreiches Jahr. Mein Schwerpunkt liegt im Moment auf dem Trio, und wir beabsichtigen, am Ende der Tour für ECM aufzunehmen. Dann gibt es ein Big- Band-Konzert in Turin und danach wird meine Komposition "La Leçon Francaise" für Knabenchor und Big Band Ende Mai beim Jazzfestival in Moers uraufgeführt.
Ihre aktuelle CD haben Sie mit dem "Brass Quintet" von Ed Partyka, dem Leiter des Jazzinstituts in Graz, aufgenommen. Was verbinden Sie mit Graz?
BLEY: Es ist eine Weile her, seit ich in Graz gespielt habe, aber ich erinnere mich an ein Konzert in einem reizenden alten Theater. Sheila Jordan hat mich danach backstage besucht. Ed Partyka ist ein guter Freund und ein beeindruckender Musiker. Ich hoffe, unsere musikalische Verbindung wird noch richtig aufblühen.
Wo und wie leben Sie heute?
BLEY: Mit Steve Swallow in den Bergen im Hinterland von New York. Wir haben zwei Klaviere und einen Riesengarten. Ich verbringe so viel Zeit wie möglich mit Gartenarbeit. Da bleibt viel liegen, wenn wir so wie jetzt auf Tour gehen. Aber es muss ein. INTERVIEW: OTMAR KLAMMER
10 Jahre KUKUK: Carla Bley (p) Andy Sheppard (sax), Steve Swallow (bass). Heute, 20 Uhr, Kunsthaus Weiz. Karten: Tel. 0664 4125190, kukukkunst.com















