Leidenschaft bis in den Tod
Am Triestiner Teatro Verdi weiß die Oper "La Bohème" von Giacomo Puccini musikalisch und emotional richtig mitzureißen.
O soave fanciulla..." (O liebliches Mädchen) - Diese anrührende Liebesmelodie vereint die gut zueinanderpassenden Stimmen von Rodolfo und Mimi, die mit wachsender Begeisterung und großer inniger Wärme ihre neu erwachten Emotionen besingen, zwei innerliche Einsame, die sich nun aneinanderklammern, zitternd und unendlich beseelt: Das Finale des ersten Bildes von Giacomo Puccinis "La Bohème" wird am Teatro Verdi Triest zu einem Highlight.
Dass die Zuhörer davon gefühlsmäßig mitgerissen werden, dafür sorgen die beiden Protagonisten: Alexia Voulgaridou ist eine auch stimmlich sehr jugendlich wirkende, gar nicht so schüchterne Mimi mit innigem, nuancenreichen Sopran. Jean Francois Borras als Rodolfo verfügt über ein ausgesprochen schönes, höhensicheres, helles Tenormaterial mit viel Schmelz. Beide wissen auch szenisch sehr gefühlvoll das Liebespaar zu mimen. Gezim Myshketa ist ein weichstimmiger Marcello. Und obwohl Daniela Mazzucato als kokette Musetta ihren stimmlichen Zenit schon überschritten hat, klingt ihr Mezzo immer noch recht frisch. Solide hört man Dario Russo (Colline) sowie Massimiliano Gagliardo (Schaunard).
Subtile Stimmungen
Mit Donato Renzetti ist endlich wieder einmal ein Mann am Pult des Orchesters des Teatro Verdi, der dieses auszureizen und zu fordern zu versteht. Bei diesem herrlichen Werk, das von vielen als Puccinis beste Schöpfung bezeichnet wird, können subtilste Stimmungen in feinsten Piani, leuchtende Farben aber auch intensiv aufrauschende Emotionen ausgemacht werden.
In einer sehr ästhetischen, realistischen Kulisse, besonders ansprechend das Cafe "Momus" im 2. Bild, wird in geschmackvollen Kostümen der Zeit (die Ausstattung stammt vom Teatro Regio Parma) durchaus mit Vitalität gespielt. Elisabetta Brusa hält sich in ihrer traditionellen Inszenierung beinahe buchstabengetreu ans Libretto, wobei sich ihre Personenführung auf die beiden Hauptpersonen fokussiert. So manche Schlüsselszene wirkt jedoch recht zahm und hätte durchaus mehr ergreifendere Gefühle vertragen.














