Virtuosität im Dienst der Spiritualität
Riccardo Minasi lotet die "Rosenkranzsonaten" aus.

Foto © PSALMVirtuos und expressiv: Barock- geiger Riccardo Minasi
GRAZ. Der Brückenschlag erfolgte im Finale: Improvisierend versuchten der Gambist Lorenz Duftschmid und die Kobyz-Virtuosin Raushan Orazbaeva jene beiden musikalischen Welten zusammenzuführen, die davor zwei Stunden lang alternierend die "Psalm"-Besucher in der List-Halle fasziniert hatten.
Orazbaeva und ihre Tochter Tokzhan Karatai führten mit fesselnder Intensität die unglaublich reichen klanglichen Möglichkeiten des Kyl-Kobyz vor, des zweisaitigen Hauptinstruments des kasachischen Schamanismus, dem sie häufig wiederholte, meditative kleine Intervallschritte ebenso entlockten wie erregte, zur Trance führende Klänge.
Den Kontrast dazu bildete eines der komplexen Meisterwerke europäischer Musik des 17. Jahrhunderts, Heinrich Ignaz Franz Bibers "Rosenkranzsonaten", die für jedes Stück eine andere Stimmung der Solovioline verlangen. Der römische Barockgeiger Riccardo Minasi trug jene fünf Sonaten vor, die der Passion Jesu gewidmet sind. Im Gegensatz zu seiner Gesamteinspielung (Arts) wählte er dafür keine üppige Continuogruppe, sondern unterstrich mit Orgel, Gambe und Laute den kontemplativen Charakter. Den anspruchsvollen Solopart noch mit Verzierungen anreichernd, gelang Minasi mit bravouröser Technik und flinken Tempi die perfekte Balance zwischen Virtuosität und Spiritualität.














