Tresor der Erinnerungen
Ein Genrewechsel mit überaus positiven Folgen: Fritz Krenn schrieb sein erstes größeres Theaterstück, der Suhrkamp-Verlag griff sofort zu.

Foto © SuherkampFritz Krenn
Mit Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa verbindet ihn eine langjährige Freundschaft, mit Peter Handke steht er in regem Briefverkehr; zwei große Literaten, die auch sein Denken und Schreiben prägten. Mit seinen eigenen Werken etablierte sich der Grazer Schriftsteller Fritz Krenn als feinsinniger Repräsentant einer schlichten, unaufgeregten Erzählweise, in der sich aber subtile Poesie nicht nur verführerisch als Sprachmagie, sondern auch als Aufscheinen eines anderen, rätselhaften Prinzips erweist.
Der Gedanke, erstmals ein größeres Theaterstück zu schreiben, habe ihn schon geraume Zeit beschäftigt, sagt Fritz Krenn. Nun ließ er Taten folgen. Den Anstoß lieferte ihm eine Eintragung im dritten Tagebuch von Max Frisch. Der Schweizer Literat bezeichnet es als großes Versäumnis, nichts darüber geschrieben zu haben, wie sehr familiäre Schicksale mit dem finanziellen Umfeld verbunden seien.
"Mein Stück handelt vom engen Zusammenspiel zwischen dem Leben und dem Geld", erzählt Krenn, der seinem Werk einen ungewöhnlichen Titel gab: "Karl und Aloisia Krasser" heißt das Zwei-Personenstück, der Titel führt ins eigene Privatleben. Es handelt sich um die Namen der Großeltern von Fritz Krenn.
Schauplatz des Stücks ist eine Bank. Ein betagter Mann drängt auf die Öffnung seines Safes, er findet darin einen Brief, den seine Ehefrau in jungen Jahren geschrieben hatte. Ein einziger, schlichter Wunsch wird darin geäußert, aber er rückt das Leben des Paares in ein völlig neues Licht. Der Tresor wird zu einem metaphorischen Ort der Erinnerungen und Versäumnisse.
Der Suhrkamp-Theaterverlag sicherte sich rasch die Rechte zum Stück, die Uraufführung soll im Herbst erfolgen. Für eine stabile poetisch-geistige Kapitalanlage ist in jedem Fall gesorgt.
Features
Fakten
Fritz Krenn, geboren am 28. 1. 1958 in Graz.
Seit 1990 als Literat tägig, 1992 erhielt er das 3sat-Stipendium beim Bachmann-Bewerb und den Literaturförderpreis der Stadt Graz.
Lesetipp: "Goldes". Residenz, 220 Seiten, 19,40 Euro.














