Alle woll(t)en mit dem "Dolferl"
"Der junge Hitler - Eine Therapie": Franzobels Auftragswerk für die neuebuehnevillach fragt "Was wäre wenn" und kommt zu keinem Schluss.

Foto © NBVDie letzten Minuten Hitlers im Bunker - Puppenspiel mit (v. l.) Manfred Schmid, Peter Uray, Anna Rieser
Was wäre, wenn... der junge Hitler an seinen Lebensweggabelungen eine andere Richtung gewählt hätte? Um das durchzuspielen, geht der oberösterreichische Autor Franzobel in die Nervenklinik. Genauer: in ein Hitlerzimmer mit dem Charme einer Waschküche (Bühne: Gerhard Fresacher) und den stereotypen Bewohnern Holocaust-Überlebender, Nazi-Nachfahre, naive Bewunderin. Letztere hat als Dissertation ein Stück über Hitlers Leben geschrieben und drängt drei junge Sozialarbeiter, es aufzuführen.
Eine absurde Komödie beginnt, in der sich bald jede(r) um den "Dolferl" reißt. Das von Regisseur Manfred Lukas-Luderer zügig geführte Theater im Theater mündet in die nicht neue Erkenntnis, dass Macht korrumpieren und Fanatismus verführen kann und ein Monsterkonstrukt wie die Hitlerei (noch) immer den Fuß in der Tür hat. Das Böse wird auch mit einer guten Seite nicht besser. Von Anfang an durchschaubar: Die Verrückten sind eigentlich Ärzte und führen ein Experiment durch, das als "zu gefährlich" abgebrochen werden muss.
Mit Sprachspielen, bei welchen u. a. die Oberösterreicher als "verwachsene Dialektkörper" hängen bleiben, Positionswechseln und Querverweisen funktioniert das Stück gut, wenn auch eindimensional. Bis zum N-a-z-i-Buchstabierer lässt Franzobel nichts aus, Puppenspieler tragen mit den letzten Minuten im Bunker noch das Irre zur Therapie bei. Zwiespältigen Eindruck hinterlässt das Sextett auf der Bühne: Die Profis Isabella Wolf, Peter Uray, Manfred Schmid stehen drei impulsiven Greenhorns gegenüber.
"Bei diesem Thema kommt man nie zu einem Ende", sagt einer. Aber, wenn man damit anfängt . . . USCHI LOIGGE
Bis 28. 4./Karten: Tel. 0 42 42 27 341















