Im Freiraum von Politik und Kunst
Die Klagenfurterin Astrid Peterle (31) zeigt als Assistentin von Danielle Spera im Jüdischen Museum Wien, was sie drauf hat. Aktuell mit einer Warhol-Ausstellung.

Foto © Christian MüllerAstrid Peterle inmitten der Porträtreihe von Andy Warhol
Seit knapp zwei Jahren ist Astrid Peterle der Samstag heilig. Im Frühsommer 2010 zog sie gemeinsam mit der neuen Chefin Danielle Spera im Jüdischen Museum Wien ein. "Ich habe gehört, dass jemand gesucht wird, und die Chance genutzt," erzählt die gebürtige Klagenfurterin. Dabei wollte die Tochter von Kurt Peterle (der SPÖ-Vizebürgermeister zog sich 2001 aus der Politik zurück) zunächst Tänzerin werden, hat aber "bald gemerkt, dass ich eine intellektuelle Herausforderung brauche."
Und was für eine: Als 23-Jährige hatte sie das Studium der Geschichte und Kunstgeschichte absolviert. Auslandssemester in ihren "Sehnsuchtsstädten" New York und Berlin (mit Praktikum an Claus Peymanns Berliner Ensemble) inklusive. Ein Stipendium der Akademie der Wissenschaften schuf Freiraum für die Dissertation (über zeitgenössische und feministische Kunst), 2009 folgte das Doktorat.
Astrid Peterles Fachgebiet ist die "Feministische Theorie", als Lektorin unterrichtete sie feministische Kunst an den Universitäten in Graz, Salzburg und Wien, zu ihren Lieblingsbeschäftigungen zählt die Frage wie politisch Kunst sein kann und die Arbeit gegen Vorurteile. "Eigentlich interessiere ich mich für alles, was ein bisschen schräg ist," gibt sie zu, "eher selten in die Oper zu gehen". Hobby ist "alles, was mit Kunst zu tun hat".
Ungerechtigkeiten in der Gesellschaft zu erkennen und zu bekämpfen, das hat sie von daheim mitbekommen. "Und ich glaube, ich habe meinen Eltern schon mit vier gesagt, dass ich in eine Stadt will. In eine Großstadt," erzählt sie. In Österreich kam da nur Wien infrage.
"Bei mir hört die Arbeit auf und fängt die Arbeit an," schreibt Peterle Texte für Künstlerinnen und Tanzkritiken für die Online-Plattform "Corpus". Bei ihrer Arbeit im Jüdischen Museum kommt ihr zugute, dass sie sich während des Studiums in die jüdische Geschichte hineingekniet und "Jiddisch für Historiker" gelernt hat: "Zu wissen, wie die Ritualgegenstände und Jahresfeste heißen, war auch hilfreich." Zu weiteren Einblicken verhilft der Wissenschafterin (über Performancekunst und Fotografie arbeitet Astrid Peterle auch) ihr Freund, der aus einer ungarischen jüdischen Familie stammt.
Peterles gern zitierten anderen Blick auf bekannte Dinge, liefert die von ihr und Spera kuratierte Andy Warhol-Ausstellung (siehe rechts) im Museum am Judenplatz: Die "Ten Portraits of Jews of the Twentieth Century" lassen den gläubigen Katholiken Warhol in anderem Licht erscheinen.















