Krone-Dichter Wolf Martin hört auf

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Wolf Martin, seit Jahren mit einem täglichen Gedicht unter den Titel "In den Wind gereimt..." in der "Kronen Zeitung" vertreten, hört auf. Der Abschied des - nicht nur wegen seiner Anspielungen an das Vokabular aus Zeiten der Nazi-Diktatur - viel kritisierten Dichters geschehe aus Krankheitsgründen, vermeldete die Zeitung in ihrer Samstag-Ausgabe.
Er sei "ziemlich krank", so der als Wolfgang Martinek 1948 geborene Reimer in seinem letzten Gedicht, nun mache er "Schluss beizeiten". Martin hatte mit seinen als rassistisch und hetzerisch verschrienen Zeilen immer wieder für Kontroversen gesorgt, sie brachten ihm auch mehrfach Verurteilungen durch den Presserat ein.
Im Jahr 1994 wählte er etwa den 20. April, also den Geburtstag Adolf Hitlers, um zu reimen: "Ich feiere, wenn man mich läßt, heut jenes Adolfs Wiegenfest, der einst in unserm schönen Land an allererster Stelle stand" - um schließlich in der letzten Zeile anzumerken, dass es ihm um den früheren Bundespräsidenten Adolf Schärf gehe. Ein anderes Mal fiel ihm zu diesem "großen Tag" ein: "Ihm seis zur Ehre, uns zum Heil: 'Taxi orange', der II. Teil!"
Martin hatte sich vor seiner "Krone"-Karriere als Sozialist, Kommunist und Homosexuellen-Aktivist versucht. In der Zeitschrift FORVM veröffentlichte er Dramolette, was "Kronen Zeitung"-Herausgeber Hans Dichand auf ihn aufmerksam machte. Sein erstes "Krone"-Gedicht erschien am 1. April 1989.
Im Jahr 2001 veröffentlichter er unter dem Titel "Diabolische Verse" seine gesammelten Werke. In einem Interview mit dem "Falter" verteidigte er damals Formulierungen wie jene vom Antifaschismus, den Kinder "ausschwitzen" sollen, und beklagte sich über den "bösen Blick, mit dem die Gutmenschen meine Gedichte lesen".
Für seinen Mentor hatte Martin nur lobende Worte übrig. "Hans Dichand hat, von meinen Eltern abgesehen, wohl am stärksten mein Schicksal bestimmt. Er ist für mich, was König Ludwig II. für Richard Wagner war."














