Kleine Döschen, bunte Haut
Der Warenfetisch, die Galerie der Idole und zwei, deren Kunst perfekt zusammenspielt.

Foto © EggenbergerVerwandeln die Klagenfurter Burgkapelle in eine "Crystal Cathedral": Markus Hanakam und Roswitha Schuller
Burgkapelle
In Josef Ferdinand Fromillers Gemälde in der Burgkapelle assistiert der hl. Briccius dem hl. Domitian bei dessen Himmelfahrt. In seiner Linken hält er stolz ein Fläschchen mit dem Blut Christi, das bekanntlich Heiligenblut den Namen gab. Vor dieser frommen Szenerie haben Markus Hanakam (32) aus Essen und die gebürtigen Friesacherin Roswitha Schuller (27) parfümartige Fantasiedöschen aufgebaut, die der barocken Kapelle den Anschein eines luxuriösen Drogeriegeschäfts verleihen.
"Im Grunde geht es hier um den Warenfetisch", erläutert Schuller den tieferen Sinn ihrer kultigen Installation, die sich insbesondere mit dem Thema Konsum im religiösen Kontext auseinandersetzt. "Crystal Cathedral" nimmt nämlich Bezug auf die von Richard Neutra erbaute Garden Grove Community Church in Kalifornien, die 1961 als erste Drive-in-Kirche Furore machte.
Ihr populärer Prediger Robert H. Schuller, nur zufällig namensgleich mit der Künstlerin, ist in der Burgkapelle des Museums Moderner Kunst Kärnten als Stimme aus dem Off vertreten. Über einen sechseckigen Spieltisch kann man die Ratschläge des evangelikalen Fernsehstars scheinbar interaktiv per Video abrufen und so Teil einer "erweiterten Skulptur" werden, wie sie die beiden Absolventen der Wiener "Angewandten" seit Jahren erfolgreich realisieren. Nach dem Motto: "All problems are really illusions".
Auszeichnungen wie das MAK-Schindlerstipendium oder der Jury-Preis beim jüngsten Japan Media Arts Festival scheinen dies indirekt zu bestätigen.
"Crystal Cathedral" von Hanakam & Schuller in der Burgkapelle des MMKK, Burggasse 8, Klagenfurt. Bis 3.6. 2012.
BV-Galerie
"Let it roll" meinte Smitty Brandner und ist mit einer beträchtlichen Zahl von Bildern vom Radsberg heruntergestiegen, um seine Galerie der Idole zu entfalten. Mit Blick in die Vergangenheit setzt er bekannte Gesichter unbunt und tiefenlos ins Bild. Acryl auf Leinwand, Wasserfarbe auf Papier. Von A wie Arnulf Rainer bis Z wie "Zimmermann's Sunglasses". Dazwischen Marilyn, Sophia nebst Belmondo. Die computergenerierten Fotovorlagen übertrug er mit gedämpfter Einfarbigkeit in zeichnerische Malereien. Brave flache Popart selig.
Smitty Brandner. BV-Galerie, Feldkirchner Straße 31, Klagenfurt. Mo.-Fr. 9-19 Uhr. Bis 28. März.
Amthof
Auch die neuesten Arbeiten von Klaus Zlattinger und Wolfgang Daborer ergänzen sich wie gehabt. Daborer präsentiert Objekte, an denen er den Zuschnitt von runden Stelen in unterschiedlichen Formationen abwandelt. Hängend oder stehend, gefertigt aus einfachen Materialien, meist aus Papier und in Variation der Oberflächentextur. Von farbloser, reliefhafter Ausarbeitung archaischer Vorbilder bis hin zu bunter Haut. Gleichsam kommentierend setzt dazu Zlattinger seine Fotografien. Er nimmt konkrete Objekte auf und setzt sie optisch in ungegenständliche Abstraktionen um. In der Nachbearbeitung am Computer entwickelt er mit den einzelnen Bildern Collagen, die im Print wie Malereien wirken. Sie könnten bei chinesischen Tuschzeichnungen Maß genommen haben.
Wolfgang Daborer/Klaus Zlattinger. Stadtgalerie im Amthof Feldkirchen. Mi.-Do. 15-18/Fr. 15-19 Uhr und während der Veranstaltungen. Bis 30. März.














