Zu hausbacken
Als Opernregisseur macht Oscar-Preisträger William Friedkin in Wien nicht Furore.
WIEN. Das Konzept wirkt schlüssig. William Friedkin (76) interessiert sich nicht für die Unvereinbarkeit von Realität und Kunst, sondern für die Gratwanderung zwischen Gut und Böse, die nicht nur der Titelheld von Jacques Offenbachs Oper "Hoffmanns Erzählungen" absolviert. Ihn durchleuchtet er im Theater an der Wien psychologisch, indem er die vier Baritonbösewichte als Hoffmanns dunkle Seite interpretiert, der die Muse gegenübersteht.
Die szenische Aufbereitung aber enttäuscht, weil Friedkin in der Personenführung die Zügel schleifen lässt. Mit dem Bühnenbildner Michael Curry, der sich meist mit zwei Freitreppen begnügt und nur im Venedig-Bild mit dem Treppenturm des Palazzo Contarini del Bovolo konkret wird, misslingt ihm just das Eindringen des Übernatürlichen in die Realität: Antonia ihre Mutter als Zombie ins Bett zu legen, ist eine Geisterbahn-Reminiszenz an Friedkins Film "Der Exorzist".
Mit dem "Hoffmann"-Experten Michael Kaye hat Friedkin eine plausible Fassung erarbeitet, die Riccardo Frizza am Pult der Wiener Symphoniker nur hausbacken verwaltet. Indisponiert angetreten, stand Kurt Streit sein Rollendebüt als Titelheld kaum durch. Dem hellen Bariton von Aris Argiris fehlte das Dämonische, Roxana Constantinescu als Muse das Besondere. Sichere Koloraturen lieferte Mari Eriksmoen als Olympia, blühende Lyrik Juanita Lascarro als Antonia und laszive Sinnlichkeit Angel Blue als Giulietta. ERNST NAREDI-RAINER
"Les contes d'Hoffmann" von Jacques Offenbach im Theater an der Wien: 23., 25., 27., 29. März und 2. April, jeweils 19 bis 22.30 Uhr. Karten: Tel. (01) 58 8 85.















