Spät gezündete Theaterrakete
Walter Fanta und Reinhard Gaschler legen eine erste literaturkritische Ausgabe des Werkes von Georg Timber-Trattnig vor.

Foto © PuchGeorg Timber-Trattnig, wortgewaltiger Autor aus Wolfsberg, wird zwölf Jahre nach seinem Tod gewürdigt
Es geht uns darum, für Georg Timber-Trattnigs Poesie neue, junge Leser zu finden, damit wäre das Vergessen des Autors am besten verhindert." Und natürlich geht es Walter Fanta und Reinhard Gaschler auch darum, Timber-Trattnig (GTT) wieder bei den Theatermenschen ins Gespräch zu bringen, "einen Versuchsballon zu starten, oder eine Rakete, mal sehen, wohin sie fliegt." Dieser "Versuchsballon" ist ein fast 300 Seiten starker, großformatiger Band, der den Schwerpunkt auf das szenische Werk des Trash- und Poppoeten legt, wie schon der Titel zeigt: "Schrei mich zurück in mein innerstes All" ist ein Zitat aus dem Stück "Die Luft ist mein Bauch", in dem es um Transsexualität geht.
Das Buch gibt einen Überblick über 29 fertige szenische Konzepte des Autors, sieben davon sind vollständig abgedruckt. Darunter auch das Musical "Space", das GTT gemeinsam mit Bernd Stromberger schuf, das allerdings nie produziert wurde. "Aber es gibt ein Demo-Band, das wir bei der Buchpräsentation erstmals spielen werden", so Fanta und Gaschler. Diese Buchpräsentation findet am 20. März im Musil-Haus in Klagenfurt statt, wo auch der Nachlass von GTT liegt.
Multimedial
Und der hat es in sich: Denn neben den szenischen Projekten finden sich da Filmdrehbücher, Lyrik, Prosa, zahllose Songtexte, literarische Fragmente und viele Grafiken. Auszüge von Prosa, Lyrik und den Grafiken finden sich auch im Buch, aber um dem multimedial arbeitenden Künstler gerecht zu werden, ist eine kritische Gesamtausgabe im Internet angedacht: "Für jemanden, der so grenzüberschreitend gearbeitet hat, hat das Buch ja fast etwas Eingrenzendes. Es gibt zum Beispiel viele Videos von Produktionen oder Audiodateien", so Fanta, Literaturwissenschafter am Musil-Institut.
Ein Porträt des multimedial arbeitenden Georg Timber-Trattnig liefert dessen langjähriger Wegbegleiter Reinhard Gaschler, der sehr persönliche Einblick in das Leben des Autors gibt (unter anderem durfte er dessen Tagebücher lesen) und auch Freunde und Familienmitglieder zu Wort kommen lässt. Für ihn fiel der Startschuss für die erste Ausgabe von GTTs Schaffen übrigens im Oktober 2010. Damals brachte Gerhard Fresacher, ebenfalls langjähriger Freund von GTT, dessen "Diffusgänger" auf die Bühne: "Da ist mir klar geworden, was da mittlerweile vergessen wurde", so Gaschler, im bürgerlichen Beruf Radiologietechnologe im Unfallkrankenhaus Klagenfurt. Gegen das Vergessen - das ist die Devise des Buches. Möge die nun gezündete Rakete treffsicher auf den Theaterbühnen landen.
Features
Zur Person
Georg Timber-Trattnig, geboren am 14. August 1966 in Wolfsberg. Gestorben am 25. Jänner 2000 in St. Veit.
Studium der Medienkommunikation und Anglistik an der Universität Klagenfurt. Ab 1988 freier Autor, Musiker, bildender Künstler. Gründungsmitglied und Bassist von "Naked Lunch", Songtexte u. a. für Ludwig Hirsch, Stella Jones oder Vienna Lusthouse. Zahlreiche Theaterstücke, die unter anderem vom Wiener Schauspielhaus ("Pop!") oder den Vereinigten Bühnen Graz uraufgeführt wurden.
Buch & Präsentation
Georg Timber-Trattnig: "Schrei mich zurück in mein innerstes All". Hrsg. von Walter Fanta und Reinhard Gaschler im Auftrag des Musil-Instituts. Edition Meerauge, 296 Seiten, 39 Euro.
Präsentation: 20. März, 19.30 Uhr, Musil-Haus Klagenfurt. Angie Mautz und Oliver Vollmann lesen Texte von GTT. Musik: Oliver Welter. Preisverleihung des GTT-Memorial-Awards. Round Table mit Moritz Rauter, Walter Fanta, Reinhard Gaschler u. a.














