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    Zuletzt aktualisiert: 14.03.2012 um 21:00 UhrKommentare

    "Kathartisches Scheintwittern"

    Kathrin Passig, die Bachmann-Preisträgerin vom Jahr 2006, über Twitter, Facebook und den Sinn und Unsinn von sozialen Netzwerken.

    Kathrin Passig

    Foto © Jan BölscheKathrin Passig

    Frau Passig, bei Ihrem Vortrag am Dienstag im Stadtmuseum Graz wurden Sie als "begeisterte Twitter-Zwitscherin" angekündigt – was ist eigentlich so toll an Twitter?

    KATHRIN PASSIG: Ich fürchte, das passt nicht in so ein kurzes Interview. Aber gut, die Ultrakurzfassung: Twitter-Verbindungen sind von Interessen an Themen oder Ausdrucksformen bestimmt, nicht von einer beidseitigen Freundschaft. Natürlich ist beides schön, aber das Twittermodell war eben anfangs nur dort zu finden und macht neue, interessante Dinge möglich.

    Werden Sie nervös, wenn Sie mehr als 24 Stunden offline sind?

    PASSIG: Ich bin eigentlich nur dann so lange offline, wenn ich in einer Gegend ohne Handyempfang auf Berge steige. Dabei fehlt mir das Netz nicht sehr. 24 unfreiwillige _Minuten_ ohne Netz, das macht mich ein bisschen nervös, aber ich bin dann eben auch abgeschnitten von meinem sozialen Umfeld. Internetferne Leser können sich das ungefähr so vorstellen wie ihre eigene Irritation, wenn mitten im Telefongespräch die Leitung tot ist.

    Wie lange überlegen Sie bei einem Beitrag auf Twitter?

    PASSIG: Die meisten Tweets schreibe ich ziemlich oft um, schon damit die Länge passt. Das tut ihnen in der Regel ganz gut. Dazu kommt das "kathartische Scheintwittern": ich schreibe erbost was hin und lösche es dann, statt es abzuschicken.

    Lady Gaga hat bei Twitter ja gerade die 20-Millionen-Schallmauer durchbrochen, was sagt das über ihre Popularität aus?

    PASSIG: Dass sie sehr populär ist. Aber das wüssten wir ja auch ohne Twitter.

    Sie selbst sind mit über 20.000 Followern aber auch nicht schlecht. Sehen Sie sich manchmal an, wer Ihre Follower sind?

    PASSIG: Nein, eigentlich nie. Wenn es einen einfacheren Weg gäbe, auf einen Blick zu sehen, was diese Follower so twittern, würde ich es vielleicht machen, aber jeden einzeln durchzuklicken, das ist mir zu mühsam. Ich kann sowieso nur einer begrenzten Zahl von Leuten folgen, wenn ich eine Chance haben will, auch zu lesen, was sie schreiben, und die finde ich einfacher auf anderen Wegen. Übrigens ist der Großteil von diesen 20.000 gar nicht aktiv, das sind Accounts von Leuten, die vermutlich nie bei Twitter reinschauen. Aber das ist bei Lady Gaga auch nicht anders.

    Muss man einen Twitter-Account haben? Was entgeht einem, wenn man keinen hat?

    PASSIG: Ach, das kommt so stark darauf an, wie man Twitter nutzen würde, wenn man einen Account hätte. Die Nutzungsweisen sind ja sehr unterschiedlich. Das ist so ähnlich, als würden Sie fragen, was einem entgeht, wenn man kein Fahrrad hat. Und ein Fahrrad muss man auch nicht haben, viele kommen gut ohne zurecht.

    Haben Sie einen Tipp, wie man mit der Fülle an Informationen im Internet besser zurande kommt?

    PASSIG: Ja: "gwohn's, Katz!", würde meine Mutter sagen. Gewöhnung ist der Schlüssel. Man kann nicht alles lesen, aber man kann schon seit mindestens 500 Jahren nicht mehr alles lesen, ohne dass uns das vor dem Internet täglich gestört hätte.

    Welche Social-Media nutzen Sie? Welche Inhalte kommen zB auf Twitter, welche auf Google+?

    PASSIG: Zu Twitter kommt alles, was in 140 Zeichen passt, nach Facebook leite ich im Moment hauptsächlich das weiter, was schon bei Twitter steht. Ich bin bei Facebook nur mit Leuten befreundet, die ich auch tatsächlich kenne - viele machen es anders und schließen bei Facebook neue Freundschaften mit Unbekannten. Ich halte es bei Twitter und Google+ so, bei Facebook nicht, aber das hat keine besonderen Gründe. Wenn ich wirklich nur den Freunden etwas sagen wollte, die ich persönlich kenne, würde ich das bei Facebook tun, aber ich glaube, das ist bisher noch nicht vorgekommen. Alles, was ich interessanter finde und worüber ich gern mit anderen (auch Unbekannten) diskutieren möchte, kommt zu Google+. In einem halben Jahr kann das alles aber auch schon wieder anders sein.

    Warum will eigentlich niemand bei Google+ sein (oder lässt dort nur ein verwaistes Profil zurück)? Macht Facebook etwas besser, liegt es am Zeitpunkt ...?

    PASSIG: Ich glaube nicht, dass das so stimmt. Google+ gibt es erst seit einem halben Jahr, natürlich ist dort weniger los als bei Facebook. Und auch verwaiste Profile wird es immer geben, wie soll man sonst eine neue Plattform ausprobieren? 2008 hätten Sie mit der gleichen Berechtigung fragen können, warum eigentlich in Deutschland niemand bei Facebook sein will. Die Frage kommt zu früh.

    Wann sollte ich als Print-Journalistin anfangen, mich nach einem neuen Job umzusehen?

    PASSIG: Ich kann darüber nur genauso spekulieren wie jeder andere, aber mein Verdacht wäre, dass Sie keinen neuen Job brauchen, sondern eine neue Herangehensweise an den alten. Das ist aber so schwierig, dass ein neuer Job vielleicht doch die einfachere Lösung ist.

    Engagieren Sie sich gegen ACTA?

    PASSIG: Hm, zählt es, dass ich die E-Petition unterschrieben habe? Ich lese viel über ACTA, kann aber nicht behaupten, dass ich gründlich verstanden hätte, worum es geht. Ich müsste noch viel mehr Zeit investieren, um mir eine qualifizierte Meinung dazu anzueignen. Das klingt jetzt schäbig, aber es gibt so vieles, wozu ich eigentlich eine Meinung haben müsste. Ich bin versucht, zu sagen, dass ich mich dafür in anderen Bereichen engagiere, aber vielleicht rede ich mir damit auch nur meine Trägheit schön.

    Kommt ein neues Buch?

    PASSIG: Voraussichtlich im Herbst, zusammen mit Sascha Lobo, mit dem ich auch schon "Dinge geregelt kriegen – ohne einen Funken Selbstdisziplin" geschrieben habe. Arbeitstitel: "Internet – Segen oder Fluch".

    Tragen Sie selbst manchmal ein vom Zufallsgenerator kreiertes Shirt aus Ihrer "Shirtmaschine"? Was steht da drauf?

    PASSIG: Ja, es zeigt einen Muldenkipper mit der Bildunterschrift "but is it really art?"

    Hat der Bachmannpreis eigentlich Ihr Leben verändert?

    PASSIG: Schon, ich werde viel öfter eingeladen, zu irgendwas meine Meinung zu sagen. Ich finde ja, man hätte mich ruhig vorher schon mal fragen können, und ein Literaturpreis ist ein relativ schlechtes Indiz für irgendwelche Qualifikationen (außer für das Schreiben von Literatur, und selbst da bin ich mir nicht ganz sicher). Aber egal, aus seltsamen Gründen eingeladen werden ist schöner als gar nicht eingeladen werden, ich will mich nicht beschweren.

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