"Feiertag": Belvedere erhielt wertvolle Kunstsammlung
Der "bedeutendste Sammlungszuwachs eines Bundesmuseums in der Geschichte der Zweiten Republik" umfasst zwei Klimtgemälde sowie Werke u.a. von Frankl, Boeckl, Blau und Laske. Die beiden Klimtgemälde "Sonnenblume" und "Familie" werden von 9. bis 18. März im Oberen Belvedere gezeigt.

Foto © APABelvedere-Direktorin Agnes Husslein-Arco und BM Claudia Schmied vor dem Klimt-Gemälde "Sonnenblume"
Das Belvedere hat aus dem Nachlass des am 22. November 2010 verstorbenen Sammlers Peter Parzer eine bedeutende Kunstsammlung erhalten, in der sich neben zwei Klimt-Gemälden auch mehr als 50 Werke von Gerhart Frankl sowie Hauptwerke von Georg Merkel, Herbert Boeckl, Tina Blau, Jean Egger, Oskar Laske und Kurt Moldovan befinden. Es handle sich um "den bedeutendsten Sammlungszuwachs eines Bundesmuseums in der Geschichte der zweiten Republik", sagte Belvedere-Direktorin Agnes Husslein-Arco heute, Freitag, bei einer Pressekonferenz. Wolfgang Peschorn, der Präsident der mit der Verlassenschaftsabhandlung befassten Finanzprokurator, bezifferte den Wert auf einen "zweistelligen Millionenbetrag".
Den heutigen 9. März habe sie sich als "Feiertag für die Kunst in Österreich" in ihren Kalender eingetragen, sagte Kulturministerin Claudia Schmied (S). Es handle sich um "Werke außerordentlicher Qualität, so außergewöhnlich, dass man sie gar nicht erwerben kann". Sie dankte ausdrücklich der Belvedere-Chefin, die über viele Jahre ein Vertrauensverhältnis zu Parzer aufgebaut habe. Parzer sei dem Belvedere schon lange verbunden gewesen, in den letzten Jahren habe es verstärkten Kontakt gegeben, sagte Husslein-Arco: "Er war fast jeden Tag hier." Vor allem die Ausrichtung einer Gerhart Frankl-Ausstellung sei ihm ein großes Anliegen gewesen.
Mit "Sonnenblume" (1907), die bis vor kurzem als Leihgabe in der Ausstellung "Gustav Klimt/Josef Hoffmann - Pioniere der Moderne" im Unteren Belvedere zu sehen war, und "Familie" (1909/10) wächst der Klimt-Bestand, aus dem 2006 fünf Bilder restituiert wurden, auf nunmehr 24 Gemälde. Das nun "Familie" genannte Bild wird in der Literatur auch als "Mutter mit Kindern", aber auch als "Flüchtlinge" oder "Tote" bezeichnet, stellt nach jüngsten Forschungen von Alfred Weidinger jedoch eine Familie dar. "Ich glaube, dass es bald gelingt, sie auch zu identifizieren", so der Kunsthistoriker zur APA.
Die beiden Klimts werden von 9. bis 18. März im Oberen Belvedere gezeigt, die "Sonnenblume" geht anschließend als Teil der Schau "Gustav Klimt in the Sign of Hoffmann and the Secession" in das Museo Correr nach Venedig und ist wie auch die "Familie" ab 12. Juli in der großen Ausstellung "Meisterwerke im Fokus: 150 Jahre Gustav Klimt" im Oberen Belvedere zu sehen.
Die Eltern von Dkfm. Peter Parzer (1937-2010), der nach einem Welthandelsstudium im Export- und Versicherungsbereich arbeitete, besaßen mehrere Restaurants, darunter den "Dominikanerkeller" in der Wiener Innenstadt. Die beiden Klimt-Gemälde befanden sich schon in der Kunstsammlung des Vaters. Dieser hatte als Neffe des Oberbaurats Heinrich Mayer, der eines der Bilder direkt von Klimt, eines von Karl Wittgenstein erworben haben soll, die beiden Gemälde geerbt. Husslein-Arco: "Die Provenienz ist wunderbar." Seine eigene Sammlungstätigkeit konzentrierte Parzer, der kinderlos gestorben ist und seine Sammlung in testamentarischen Verfügungen der Republik bzw. dem Belvedere hinterlassen hat, auf die klassische österreichische Moderne und dabei insbesondere auf das Werk von Gerhart Frankl.















