Schriftsteller Akos Kertesz bittet Kanada um Asyl
Der ungarische Schriftsteller Akos Kertesz hat wegen einer gegen ihn gerichteten Hetzkampagne um Asyl in Kanada angesucht. Der 79-jährige, jüdische Roman- und Drehbuchautor sei am 29. Februar mit seiner Ehefrau in Montreal eingetroffen, berichteten ungarische Medien am Sonntag unter Berufung auf ein Schreiben des Pressebüros von Kertesz.
Er habe dort den Flüchtlingsstatus beantragt, weil er infolge des medialen Kesseltreibens in seiner Heimat "physischen Belästigungen und Drohungen ausgesetzt war, auch tätlich insultiert und auf offener Straße angegriffen wurde und sein Leben in Gefahr sah", hieß es in dem Schreiben.
Kertesz, der nicht mit dem in Berlin lebenden Literatur-Nobelpreisträger Imre Kertesz verwandt ist, hatte mit einer scharfen Polemik im vergangenen August die in Ungarn regierende Rechte gegen sich aufgebracht. In dem Offenen Brief an das ungarisch-amerikanische Web-Portal "Amerikai Nepszava" hatte Kertesz seinen Landsleuten vorgeworfen, die Verantwortung für den Holocaust an den ungarischen Juden zu verdrängen. Dabei schrieb er unter anderem: "Der Ungar ist genetisch ein Untertan."
Die Behauptung zog eine massive Hetzkampagne regierungsnaher und rechtsextremer Medien nach sich. Die von der Regierungspartei FIDESZ geführte Stadt Budapest entzog Kertesz die Ehrenbürgerschaft. Einige Kommentatoren der Linken empfanden die Äußerung von Kertesz zwar als überzogen, erklärten sie aber damit, dass der jüdische Autor und Holocaust-Überlebende über die Zustände in Ungarn verbittert sei. Von Kertesz erschienen auf Deutsch die Romane "Das verschenkte Leben des Ferenc Makra" (1975) und "Haus mit Mansarde" (1984).













