Wiener Hofmobiliendepot mit Plastic Power
Plastic Power statt Flower Power: Jede Menge Plastik möbliert ab Mittwoch das vorrangig auf imperialistisches Inventar spezialisierte Wiener Hofmobiliendepot. Die Ausstellung "Sixties Design" würdigt mit farbintensiven wie formauffälligen Objekten das "letzte nostalgiefreie Jahrzehnt in der Geschichte des Designs", wie Kurator Markus Laumann sich am Dienstag als Fan der 1960er Jahre outete.
"Sixties Design" kann bis 17. Juni bewundert werden. Zu sehen sind aufblasbare Sitzgarnituren ebenso wie Einrichtung in Weltraumästhetik oder ein überdimensionaler, zum Fläzen einladender Lederhandschuh. Laut Laumann prägten vier Faktoren das gestaltungstechnisch "sehr vielfältige wie vielschichtige Jahrzehnt der 'Messy Vitality'": Jugend, Wohlstand, Massenkommunikation und der neue Werkstoff Plastik.
"Durch die Forschung im Bereich der Kunststoffe sind plötzlich Möbelformen möglich, die vorher undenkbar waren", erklärte der Kurator. Die technische Novität brachte aufblasbares Interieur aus PVC ebenso in die Wohnzimmer wie etwa aus Spritzguss gefertigte Sessel, die ohne Rücksicht auf statische Erfordernisse und gleichzeitig als billige Massenware hergestellt werden konnten. Eine Ikone in diesem Bereich stellt etwa der von Verner Panton konzipierte, hinterbeinlose Stapelstuhl "Panton" dar.
Utopische, also positiv besetzte Zukunftsversionen in Verbindung mit ungebrochener Faszination an Technik und der Eroberung des Weltraums schlug sich im "Space Age Design" nieder. Kugelförmige Lampen, die an Astronautenhelme gemahnen, und flexible wie raumsparende Produkte im Science-Fiction-Look geben Zeugnis davon. Zum Klassiker geriet zudem der "Ball Chair" von Eero Aarnio - eine Art Raumkapsel für das eigene Zuhause.
Die anfangs von der Jugend getragene "Konsumrevolution" wurde ab Mitte der 1960er Jahre langsam von der Protestkultur infolge von Vietnam, des Prager Frühling und des Kalten Krieges abgelöst. Damit einher ging eine kritische Haltung gegenüber dem unverhohlenen Materialismus, der sich teils in der Rückbesinnung auf Kunsthandwerk und bewährte Stile wie Art Deco oder Jugendstil manifestierte. "Das war aber kein Retrophänomen, sondern eine genuine Neuentdeckung", betonte Laumann. Nostalgie sei vielmehr eine Erscheinung unserer Zeit: "Unsere Ausstellung selbst ist nostalgisch."
Die Schau im Hofmobiliendepot gliedert sich in zehn Stationen, in die auch Radio- und Fernsehgeräte, Fotografien und Kleidungsstücke Eingang finden. Der repräsentierte Zeitrahmen reicht vom Ende der 1950er Jahre bis zur Erdölkrise 1973. Diese beendete endgültig den Plastik-Boom.














