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Zuletzt aktualisiert: 22.02.2012 um 20:30 UhrKommentare

Oberflächliches Schreckensbild

Die UN-Sonderbotschafterin Angelina Jolie versucht in ihrem Regiedebüt künstlerische Arbeit mit humanitärem Engagement zu verbinden.

Mit einer kursorischen Skizze führt uns Regiedebütantin Angelina Jolie eine ihrer Hauptfiguren vor. Wir sehen Ajla (Zana Marjanovi) bei der Arbeit. Sie steht vor einer Staffelei, schaut in den Spiegel, zieht eine Linie auf der Leinwand nach. Ajla ist Malerin. Gemeinsam mit ihrer Schwester (Vanessa Glodjo) und deren Neugeborenem lebt sie in einer nicht genau lokalisierten bosnischen Stadt. Mit Inserts liefert die Regisseurin zeitliche Informationen.

1992. Ajla flirtet beim Tanzen mit dem Polizisten Danijel (Goran Kosti). Er ein orthodoxer Serbe, sie eine bosnische Muslima. Kein Problem in der Unbeschwertheit eines Unterhaltungslokals, in dem sich Menschen näher kommen. Sie sind auf dem besten Weg, ein Paar zu werden, als eine gewaltige Detonation die Tanzfläche mit Toten und Schwerverletzten überschwemmt. Der Krieg ist nicht nur bei den jungen Menschen angekommen.

Danijels Vater (Rade erbedija) ist ein hoch dekorierter General der jugoslawischen Volksarmee, der seinen Sohn als Kommandanten eines Kriegsgefangenenlagers einsetzt. Danijel hegt Zweifel an der Sinnhaftigkeit des bosnisch-serbischen Bürgerkriegs und an seiner gegenwärtigen Funktion.

Ajla versucht dem Kriegsgeschehen zu entkommen, aber alle Wege sind zu. Schließlich dringt eine brutale Soldateska in einen Wohnblock ein, erschießt die Männer und verschleppt die meisten Frauen in jenes Lager, das Danijel befehligt, wo blanker Sadismus herrscht und Vergewaltigungen am Fließband passieren. Danijel erkennt Ajla wieder und versucht sie als seine Privatgefangene vor Übergriffen zu schützen.

Hollywoodstar Angelina Jolie fungiert seit mehr als einem Jahrzehnt als Sonderbotschafterin des Flüchtlingshilfswerks UNHCR. In ihrem Regiedebüt versucht die 36-Jährige humanitäres Engagement und künstlerische Arbeit zu verbinden. Die gute Absicht bewahrt sie nicht davor, filmische Fehler zu begehen. Die Proponenten der unmöglichen Liebe in Zeiten des Krieges kann sie in ihrer Komplexität schildern, doch bei den Nebenfiguren jagt ein Klischee das nächste. Und so bietet Jolie kaum Hilfestellungen zum Verstehen des Gezeigten. HHHII

REINHOLD REITERER

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