Unsichtbare Fenster in der Wiener Secession
Spaziert man in den kommenden Wochen an der Secession in Wien vorbei, hat man gute Chancen, Teil eines Kunstwerks zu werden. Im Rahmen der Doppelausstellung des kanadischen Filmemachers Michael Snow und des gebürtigen Südtiroler Malers Rudolf Stingel wird u.a. das Äußere nach innen projiziert, wenn Snows Videoinstallation Bilder der Kreuzung am Naschmarkt auf unregelmäßig angeordnete Sockel wirkt.
Bis zum 15. April sind auch unsichtbare Fenster, Piano-Skulpturen und Stingels persönliches Mausoleum zu bewundern. Der mittlerweile in New York und Meran arbeitende Maler nutzt dafür den Hauptraum der Secession, den er mit drei großformatigen, unbetitelten Arbeiten bespielt: Ein übermaltes Selbstporträt nach einer Fotografie von Sam Samore zeigt den Künstler in strengem Schwarz-Weiß, mit starrem Blick nach oben, und evoziert eine "Begräbnisstimmung", wie er bei der Presseführung selbst anmerkte. Zur Seite gestellt sind dem Bild zwei ebenso raumgreifende Reliefarbeiten, die mittels pigmentiertem Gips eine florale Tapetenstruktur ins Räumliche übertragen und zur festlichen, aber bedrückenden Stimmung beisteuern.
Für Andras Palffy, Präsident der Secession, kommt Stingel aus einer "sehr klassischen Position", versucht dabei aber "Grenzen auszuloten und Regeln zu brechen". So trifft man hier auf "Flächen, die räumlich wirksam werden, den Raum besetzen und darüber hinausgehen", wodurch letztlich "die Oberfläche genauso räumliche Relevanz" gewinnt. Raum und Zeit wiederum verschränken die Arbeiten von Snow in der Galerie der Secession: Bei der ersten Einzelausstellung des Kanadiers in Österreich zeigen sieben Werke seine mit den Gegebenheiten von Film und Realität spielende Herangehensweise an die eigene Wahrnehmung.
Am eindruckvollsten illustriert dies die gut einstündige Videoinstallation "Solar Breath", die in den Keller des Hauses ein offenes Fenster hievt: In einer einzigen Kameraeinstellung aufgenommen wird ein Vorhang immer wieder auf eine unsichtbare Glasscheibe geworfen - das Fenster steht klar ersichtlich offen. Ein seltenes Naturphänomen, das Snow schon mehrmals versuchte zu dokumentiert. Das beinahe rhythmische Geräusch erzeugt einen zusätzlichen hypnotischen Gestus, während Snow sich für Roadmovie-Projektion "In the Way" die "Effekte der Kamerabewegung" zu Nutzen machte und bisweilen auch hinterfragt.
Die Schau mit dem Titel "Recent Work" wird komplettiert von der "Piano Scultpure", vier Projektionen eines Klavierstücks, die zwar synchron scheinen, aber aufgrund verschiedener Variationen Differenzen und Überlappungen erzeugen, sowie zwei fotografischen Arbeiten und dem surreal anmutenden Kurzfilm "SSHTOORRTY". Parallel zur Ausstellung in der Secession, die heute, Mittwochabend, eröffnet wird, widmet sich das Filmmuseum ab Freitag ebenfalls Snows Oeuvre und zeigt eine Retrospektive, die das Frühwerk des Multimedialisten in den Fokus rückt.
S E R V I C E - http://www.secession.at; Informationen zur Retrospektive von Michael Snow im Filmmuseum unter: http://www.filmmuseum.at)













