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Zuletzt aktualisiert: 22.02.2012 um 12:02 UhrKommentare

"In the Land of Blood and Honey"

Angelina Jolies viel diskutiertes Regiedebüt rollt die Gräuel des Bosnienkrieges anhand einer Liebesgeschichte auf - dafür gab es eine Golden-Globe-Nominierung für den besten fremdsprachigen Film.

Foto © EMW

Ein Blick in den Spiegel, ein Strich auf der Leinwand: Mit ruhigen, atmosphärischen Bildern des Malens beginnt Angelina Jolies viel diskutiertes Regiedebüt "In the Land of Blood and Honey", bevor die 36-jährige Oscarpreisträgerin über ihre Protagonistin Ajla die Gräuel des Bosnienkrieges hereinbrechen lässt. Im Zentrum steht die Liebesgeschichte zwischen der bosniakischen Malerin und dem serbischen Soldaten Danijel, welche aber immer wieder von expliziten Bildern eingeholt und konterkariert wird.

Flirt wird jäh beeendet

Winter 1991: Ajla (in ihrer Zurückhaltung sehr überzeugend: Zana Marjanovic) lebt mit ihrer Schwester und deren Neugeborenem in einer kleinen Wohnung im bosnischen Nirgendwo. In einem Tanzlokal flirtet sie mit Danijel (Goran Kostic), eine harmonisch-leichte Atmosphäre beherrscht den Raum - bis eine Detonation das Gleichgewicht auf brutale Weise zerreißt und den anstehenden Konflikt vorwegnimmt. Vier Monate später ist eine geplante Flucht für Ajla nicht mehr möglich, Soldaten der bosnisch-serbischen Armee erschießen alle Männer des Wohnhauses und verschleppen einen Großteil der Frauen in ein Lager, wo sadistische Praktiken und Vergewaltigungen an der Tagesordnung stehen.

Dort begegnet sie erneut Danijel, der als Generalssohn eine Führungsposition innehat und zunächst nach Kräften versucht, Ajla vor den Schikanen der anderen Soldaten zu beschützen. Dabei gerät der Film immer mehr zum Kammerspiel, stehen sich Ajla und Danijel in dessen Zimmer gegenüber und ergründen mit wenigen Worten und Blicken ihre Gefühle. Danijel hat Zweifel an seinem Tun, nicht nur aufgrund seiner Zuneigung für die muslimische Ajla. Im krassen Gegensatz dazu steht die Brutalität des Alltags "draußen", wenn die schützende Hand im Verborgenen bleiben muss. Als Danijel schließlich nach Sarajevo verlegt wird, wagt Ajla die Flucht.

Erzeugt die erste Hälfte des Films noch Spannung aufgrund der prekären Situation des an Romeo und Julia gemahnenden Pärchens, wähnt man sich mit Fortdauer immer mehr in einem auf explizite Darstellung getrimmten Loop: Frauen werden als lebende Schilder in Schusswechseln verwendet, Massenhinrichtungen stehen auf der Tagesordnung, während das Land selbst sich in zunehmend desaströsem Zustand präsentiert und Ajla mit dem grausamen Mord an ihrem einjährigen Neffen konfrontiert wird. Mit erläuternden Erklärungen bezüglich des Konflikts selbst hält sich Jolie kaum auf, nur einige Ausschnitte aus Nachrichtensendungen sowie Gesprächsfetzen oder markante Ereignisse werden angedeutet, um die Handlung in ein größeres Ganzes zu kleiden.

Handwerklich sehr solides Regiedebüt

Nur gelingt das wenig überzeugend, werden die Vorkommnisse austauschbar und der Krieg zur Metapher. Vorwürfe, dass sie mit ihrem Drehbuch auf Stereotype zurückgreift, muss sich Jolie insofern gefallen lassen, als sie speziell die Soldaten als blutrünstige Söldner karikiert, emotional dabei immer wieder auf althergebrachte Topoi setzt und ihren Darstellern nur wenig Raum zur Charakterentwicklung bietet. Das ist gerade angesichts des hin- und hergerissenen Danijel besonders augenscheinlich, dessen plötzliche Ausbrüche Kostic zwar fesselnd darstellt, dabei aber immer von einem hölzernen Gestus umweht wird. Zusätzliche Spannung in die Konstellation bringt schließlich noch Rade Serbedzija als General und Vater von Danijel, welcher der Beziehung seines Sohnes alles andere als wohlgesonnen gegenübersteht, bevor nach über zwei Stunden die frustrierende Klimax erreicht wird.

Jolie liefert mit "In the Land of Blood and Honey" ein handwerklich sehr solides Regiedebüt ab, kann sich aber nicht entscheiden, auf welchen Aspekt der Geschichte sie den Fokus legen will. Zumindest gelingt es ihr über weite Strecken, die Schrecken des Krieges ohne pathetisch-emotional aufgeladene Bilder zu illustrieren, bleibt dem spröden, der Sache angemessenen Grundtenor treu und liefert ein gewichtiges Statement zu einem ebenso gewichtigen Thema ab. Als Lohn gab es bereits den "Cinema For Peace"-Award sowie eine Golden-Globe-Nominierung für den besten fremdsprachigen Film.

Christoph Griessner/APA

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