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Zuletzt aktualisiert: 21.02.2012 um 20:30 UhrKommentare

Der feine Mann für das Grobe

In seinem neuen Film "Safe House" wechselt Denzel Washington wieder einmal die Fronten: Er spielt einen Verräter. In unserem Interview zeigt der Hollywood-Star auch sehr viele private Seiten.

T obias Frost war ein legendärer Spion. Heute ist er für die CIA der gefährlichste Verräter. Als er in Südafrika auftaucht, soll er gestellt werden. Denzel Washington spielt ihn - im Thriller "Safe House", der ab 24. Februar in unseren Kinos läuft. Die Kleine Zeitung traf den Hollywood-Star in Berlin.

Mister Washington, Sie sind einmal nicht der "Gute", das ist in "Safe House" Ryan Reynolds als Jung-Agent. Wie würden Sie Ihre Figur bezeichnen? DENZEL WASHINGTON: Ich denke, er ist ein Soziopath. Ein Manipulator, Lügner, Betrüger. Ohne Gewissen. Als Einstimmung habe ich das sehr gute Buch "The Sociopath Next Door" gelesen. Solche Leute wollen immer die Besten, Größten sein, aller anderen sollen ihren Ring küssen.

Wie sind denn Sie in dieses Rollengenre gerutscht? WASHINGTON: Das liegt in der Natur unseres Geschäfts. Anfangs war ich der Mann für Biografien. Dann plötzlich, nach "Training Day", ein Bösewicht. Und wenn morgen ein Drehbuch für eine Komödie kommt, in der ich ein bisschen verrückt sein soll, bin ich wohl plötzlich der Mann fürs Verrückte. Tatsache ist nur eines: Die Produzenten wollen ihr Geld zurückhaben, und wenn ich ihnen dafür gut bin - na ja.

Sind Sie mit Ihrer Karriere zufrieden? WASHINGTON: Sidney Poitier sagte einmal: "Die ersten vier, fünf Filme entscheiden, wie du wahrgenommen wirst!" Da hatte ich Glück. Denn gleich zu Beginn arbeitete ich mit einem Sidney Lumet, einem Norman Jewison, einem Richard Attenborough. Das brachte mich in eine gewisse Position. Hauptsächlich basiert meine Karriere darauf, dass ich sehr oft Nein gesagt habe. Ja, übrigens hat man mir gleich anfangs auch eine Komödie angeboten: "The Nigger They Couldn't Kill". Da war nicht nur der Titel blöd. Habe ich natürlich abgelehnt.

Einer der wesentlichen schwarzen Filmemacher, Spike Lee, hat sich jüngst beschwert, das Hollywood-Studiosystem habe von Black People keine Ahnung? WASHINGTON: Ich kann's zwar nicht glauben, doch überraschen würde es mich nicht. Nur: Ich persönlich weiß gar nicht, was das Studiosystem ist. Steckt da überhaupt System dahinter? Wie ich schon vorher angedeutet habe: Dort sitzen ein paar Leute, die reich werden wollen. Wenn da plötzlich ein Jack Black auftaucht, und mit ihm spielen sie Millionen ein, dann fordern sie natürlich: Bringt uns weitere Jack Blacks! Kann man ihnen das wirklich verübeln?

Empfinden Sie sich als Star? WASHINGTON: Ich bin Schauspieler, den sie als Star bezeichnen. Ich bin ein menschliches Wesen. Die Titel erfinden die anderen. Julia Roberts hat einmal gesagt "I am an ordinary person with an extraordinary job - Ich bin ein normaler Mensch mit einem unnormalen Beruf!" Ich liebe diesen Satz.

Man sagt Ihnen nach, Sie seien sehr religiös? WASHINGTON: Das stimmt nicht ganz. Ich glaube an Gott und befinde mich auf einer dauernden spirituellen Reise. Mit Religion habe ich jedoch nichts am Hut. Die behaupten alle, ihr Gott sei der richtige. Aber welcher ist es wirklich?

Die Frage werden wir wohl auch hier nicht klären können. Also ein Themenwechsel: Die Oscar-Zermonie naht. Auf wen tippen Sie? WASHINGTON: Es sind so viele Freunde nominiert, ich weiß nicht recht. Nur eine wird nicht zu umgehen sein: Meryl Streep.

Fühlten Sie sich je bei Oscars übergangen? Vielleicht sogar aus rassistischen Gründen? WASHINGTON: Blödsinn. Al Pacino war acht Mal nominiert, bis er den Oscar bekommen hat. Ich war drei Mal nominiert und habe ihn zwei Mal bekommen. Was soll ich mich da beschweren?

Sie haben sich sehr für Barack Obamas Wahl zum Präsidenten eingesetzt. Noch in diesem Jahr sind wieder Wahlen. Gilt "Yes, we can!" nach wie vor?

WASHINGTON: Jedenfalls war es ein schöner Slogan. Die Umfragen schauen leider nicht gut aus. Und man hat ihm immer nur Knüppel in den Weg gelegt. Es gibt keinen Willen zum Kompromiss. Damals hat ihn die Jugend ins Amt gehievt, und ich hoffe, die Jugend bleibt ihm treu. Schauen Sie: Er muss gar nicht unbedingt der beste schwarze Präsident sein. Aber er ist der erste. Mich erinnert das an die Tage, als es im American Football den ersten schwarzen Quarterback gab. Der war auch nicht der Beste, aber eben der Erste. Ein Wegbereiter. Obama würde sich eine weitere Amtsperiode verdienen.

Ihr nächster Film? WASHINGTON: "Fight" unter Robert Zemeckis. Ich bin ein Airline-Pilot, Alkoholiker und drogensüchtig. Der Mann leidet schrecklich unter seiner Sucht. Jedenfalls eine interessante Story. Kommt vor Weihnachten in die Kinos. INTERVIEW: LUDWIG HEINRICH


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