"Fool of Love" im Burgtheater gefeiert

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Ein junger Freund, eine dunkle Geliebte und ein erbitterter Rivale: Die Figuren, die Shakespeare in seinen Sonetten rund um 1600 einst adressierte, könnte die moderne Popmusik nicht besser erfinden. Der aus Bochum stammende Musiker und Komponist Karsten Riedel hat beides zu einem stimmigen Ganzen vermischt und Mittwochabend als "Fool of Love" im Wiener Burgtheater frenetischen Applaus geerntet.
Der wahre Star des Abends war dabei keiner der fünf eingebundenen Burgschauspieler - sondern eine Puppe. "The worst was this, my love was my decay": Wenn die von Nikolaus Habjan grandios geführte Puppe als Dichter Shakespeare theatralisch in der Stimme von Nicholas Ofczarek das soeben von Riedel vorgetragene Sonett Nr. 80 rezitiert, klingt es beinahe falsch. So natürlich und sinnlich mutete zuvor die musikalische Vertonung an, als sei sie von Shakespeare einst ebenso intendiert gewesen. Meist melancholisch und romantisch, mal pop-lastig beschwingt und dann mit französischem oder südländischem Einschlag gestaltet Riedel am Flügel seine melodiöse Liebeslyrik, mit der er schon Matthias Hartmanns Inszenierung von "Was ihr wollt" Ende 2010 atmosphärisch begleitete.
Zurecht widmete Burg-Direktor Hartmann gemeinsam mit Michael Schachermaier dem Konzept nach einem gelungenen Auftritt beim Saisonauftaktkonzert vergangenes Jahr nun einen eigenen Abend. Erneut ihre besondere Note beisteuernd und mit Riedel am Flügel einen Halbkreis bildend: die Südtiroler Musikbanda Franui in verkleinerter Besetzung samt Streichern, Bläsern, Harfe und volksmusikalischen Instrumenten. Neu dabei und wechselnd aus dem schweren, roten Vorhang hinter den Musikern hervortretend: Ensemblemitglieder des Hauses, die die Musiker mal gesanglich, mal szenisch unterstützten.
Nicht immer fehlerfrei, dafür passend besetzt gestalteten sich die Einsätze: Dörte Lyssewski überzeugte mit der kräftigsten Stimme, Nicholas Ofczarek mit einem Ausflug in den Wiener Dialekt, Johannes Krisch als Sänger mit diabolischem Charme und Sunnyi Melles erst als Königin Elisabeth I., dann als den 20er Jahren entsprungene Balladen-Diva. Der komödiantische Höhepunkt wurde Tilo Nest zuteil, der stimmlich die Puppe bei deren Nachstellung von vier großen Shakespeare-Toden unterstützte - vom hastig erstochenen, nach Luft ringenden Julius Cäsar bis zur verzweifelt säuselnden, schmachtenden Julia.















