Ruhm und Rausch, Genie und Wahnsinn
Nach dem Tod von Whitney Houston wird wieder hektisch eine Antwort auf die oft gestellte Frage gesucht: Warum zerbrechen so viele Stars an einem Leben, das sie eigentlich lieben müssten?

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Sie verfügen über Reichtum, lächeln aus Hochglanzmagazinen, werden von einem Millionenpublikum angebetet; dennoch jauchzen sie nicht in den Himmel, sondern sind zu Tode betrübt. Betrübt, weil der Ruhm zu groß und erdrückend geworden ist. Betrübt, weil er plötzlich - nach dem meist kometenhaften Aufstieg - ausbleibt. Nach dem Tod von Whitney Houston (Aktuelles dazu auf den TV-Seiten) wird wieder hektisch eine Antwort auf die oft gestellte Frage gesucht: Warum zerschellen Künstler an einem Leben, das ihnen doch - zumindest auf den ersten Blick - alles bietet?
Essenz des Künstlertums
Dass das Rauschhafte bis zur bitteren Neige eine Essenz des Künstlertums ist, ist keine Erfindung des Popbusiness. Bereits Novalis schwärmte vom "braunen Safte des Mohns" (Opium), Joseph Roth hat sich zu Tode gesoffen, Ernest Hemingway griff ebenfalls zeitlebens zur Flasche und am Schluss zum Jagdgewehr. Das Showbusiness hat übernommen: Elvis Presley endete als Cholesterinmonster, Marilyn Monroe erstickte in der Blondinen-Schublade, Romy Schneider am Sisy-Mythos. Die Mitglieder des berühmt-berüchtigten "Club 27", allesamt junge Menschen, denen der schnelle Ruhm das Rückgrat krümmte und dann brach, lebten nach dem Motto: "Es ist besser zu verbrennen, als zu verblassen". Verbrannt: Jimi Hendrix, Janis Joplin, Jim Morrison, Kurt Cobain, Amy Winehouse. Hat also der Volksmund, wonach Genie und Wahnsinn nahe beieinanderliegen, recht?
Mit solchen Begriffen geht Peter Walschburger, Professor für Biopsychologie an der Freien Universität Berlin, vorsichtig um. Er spricht lieber von der zentralen Rolle der "globalen Bühne". Erst dadurch werde das Autonomiegefühl der Topstars ins Unermessliche gesteigert. "Auf dem Höhepunkt ihres Erfolges müssen diese Menschen ja geradezu das Gefühl haben, dass für sie der alte Menschheitstraum wahrgeworden ist, die Welt völlig nach ihren Wünschen ausrichten zu können".
"Dass kreative Menschen besonders labil und gefährdet sind, ist nicht von der Hand zu weisen", sagt Andreas Koch, Leiter der Popakademie Wien. "In der Kunst geht es naturgemäß nicht um das Durchschnittliche, sondern um das Extreme, um den Fokus, um die Konzentration". Diese gesteigerte Wahrnehmung, die in vielen Fällen pathologische Züge annimmt - sei eine Grundvoraussetzung künstlerischen Schaffens. Diese absolute Fokussierung führe aber zu einer Art Tunnelblick. "Und zu einem enormen psychischen Druck", so Koch weiter. "Druck deshalb, weil die öffentliche Person und die Privatperson nicht mehr zusammenkommen oder der Übergang fehlt". Für den Druckabbau, für die zumindest kurzfristige Erleichterung, sind dann "Sister Morphine" und ihre Geschwister zuständig.
Die Grenzgänger
Wie erleichternd es hingegen sein kann, wenn der Brennpunkt zwischen Schein und Sein den Künstler nicht versengt, hat Andreas Koch bei Falco erlebt. "Für ihn war ja das ganze Leben Bühne. Ich habe ihn einige Mal getroffen, war aber so unwichtig, dass er mir keine Show vorspielen musste. Und da habe ich gemerkt, dass er ein lieber, umgänglicher Mensch sein kann".
Nicht nur mit Falco, sondern der gesamten Austropop-Szene und vielen internationalen Superstars hat Filmemacher Rudi Dolezal gearbeitet. Seine Erklärung für das "tödliche Gift" namens Ruhm: "Wenn du in der obersten Liga spielen willst, musst du das Außergewöhnliche, das noch nie Dagewesene leisten, dafür muss der Künstler aber Grenzen überschreiten. Und wenn man diese Freiheit, dass alles erlaubt ist, ins Privatleben überträgt, ist das sehr ungesund".
















