Kindgerechtes Schauspiel mit schönen Nebeneffekten
"Kokon" und "Trag mich!": Zwei exzellente Kindertheaterproduktionen zu Gast im Congress Center.

Foto © KKSzene aus "Kokon" der deutschen Kompanie "Theater o. N."
Was vor 50 Jahren als kindgerechtes Theater galt, würde heute oft altbacken wirken. Standen vormals Kasperl oder Märchenfiguren im Mittelpunkt, so beseelen heutzutage viele Produktionen den komplexen kindlichen Alltag. Exemplarisch zu erleben anhand der beiden Gastspiele "Kokon" und "Trag' mich!" im Congress Center Villach.
Die deutsche Kompanie "Theater o. N." beschäftigt sich in der Produktion "Kokon" für zweijährige Kleinkinder mit den Ausformungen der Natur. Minouche Petrusch und Karlo Hackenberger erforschen in einem muschelartigen Bühnenset fließendes Wasser, rollende Nüsse, einen meterlangen Seidenschal, den Klang einer Ukulele oder auch mal nur den eigenen Zeigefinger. Nicht kausale Zusammenhänge leiten ihre Szenenfolge, sondern eine ruhige Assoziationskette, die nie ins oberflächliche abgleitet, sondern stets im ernsthaft-neugierigen Hier und Jetzt verhaften bleibt. Als theatraler Höhepunkt windet sich Minouche Petrusch aus ihrem panzerartigen, braunen Overall und flattert in einem zartgelben Seidenkleidchen wie ein Schmetterling über die Bühne. Nach der Vorstellung verspeisen das Ensemble und die beeindruckten Kids gemeinsam die verwendeten Nüsse.
Das Salzburger Toihaus mutet seinem Kindergartenkinder-Publikum in "Trag' mich!" altersentsprechend mehr zu. Rasanter und stellenweise lauter dreht sich alles um Kleidung. Im entzückenden Bühnenbild von Sigrid Wurzinger baumeln auf zwei Wäscheleinen Kleidungsstücke, darunter etliche Shirts mit applizierten Wölkchen, die unter einer Sonne hängend den Himmel doppelt verhübschen. Vor dieser bunten Kulisse vertreiben sich die Tänzerin Ceren Oran und ihr Kollege Felipe Salazar die Zeit mit dem lustvollen Probieren von Kleidungsstücken. Mal hechtet sie akrobatisch in einen Pulli, mal bleiben beide in einem T-Shirt stecken, dann wieder dehnt er ein Hemd über seine gebeugten Knie und hüpft wie Frosch durch die Gegend. Kommuniziert wird mit Bewegung, Lauten oder Silben, deren Inhalt sich durch Tonhöhe, Tempo und Lautstärke erschließt. Ein wunderbarer Luxus ist die Live-Musik der Musikerin Yoko Yagihara mit Schlagwerk und Xylophon. Zur Verbeugung dürfen fünf Freiwillige in ein zusammenhängendes T-Shirt steigen. Fassungslos entruscht einer Kindergärtnerin: "Unsere G'schamigsten gehen auf die Bühne!" Ein spannender Nebeneffekt eines gelungenen Kindertheaters. Vertraute Kinder mit neuen Augen sehen.













