Operndiva mit Hund & Bohrmaschine
Schauspielerisch und emotional herausfordernd: Alexandra Reinprecht (37) singt ab Donnerstag am Stadttheater Klagenfurt die "Martha" im "Evangelimann".

Foto © BauerVerzweifelte Liebe: Martha (Alexandra Reinprecht) und Mathias (Johannes Chum)
Zwar steht sie nur im ersten Teil auf der Bühne, der "Evangelimann" verlangt von Alexandra Reinprecht trotzdem extrem viel Kraft: "Die Rolle ist schauspielerisch, aber auch emotional sehr herausfordernd. Es gibt zum Beispiel eine Vergewaltigungsszene, die hat mich in einer Probe zum Weinen gebracht", erzählt sie in der Kantine des Stadttheater Klagenfurt, wo das "Cordon bleu" bis zum Ende des Interviews warten muss. Dafür gibt es zwischendurch Knuddeleinheiten mit Hündchen Hermine, das von Wien mitangereist ist. Das Frauchen, Mitglied der Wiener Staatsoper, singt ab Donnerstag die "Martha Engel" (mehr zum Inhalt siehe rechts): "Martha ist ein Opfer patriachaler Strukturen und einer pseudomäßigen Dorffrömmelei", so die 37-Jährige: "Man sollte sich diese Oper anschauen, um nie zu vergessen, wie brutal die menschliche Natur sein kann."
Sängerkind
Die quirlige Wienerin selbst gehört allerdings zu den Glückskindern: Als Tochter zweier Sänger ist sie mit Musik aufgewachsen und schon als Kleinkind zwischen den Kulissen der Salzburger Festspiele herumgeturnt. Vor einer Musikerkarriere haben die Eltern zwar eher gewarnt ("Es dauert ewig, bis du dich aus dem Sumpf heraushebst", so die Mutter), aber das in die Wiege gelegte Talent sollte auch nicht verschwendet werden. Also studierte sie nach dem Abschluss der Handelsakademie doch Gesang, und zwar am Triester Konservatorium. Und bald folgten auch die ersten Engagements am Theater St. Gallen und an der Grazer Oper. Seit 2008 ist sie Mitglied des Staatsopern-Ensembles - an dem Haus war ihr Vater übrigens Chorsolist - und hatte gleich einen fulminanten Einstand: Sie sprang quasi in letzter Minute für die damals schwangere Anna Netrebko als "Manon" ein und erntete große Anerkennung: "Ich habe gerade mit einer Black&Decker Rollos im Haus montiert, als um 15 Uhr der Anruf kam, dass ich übernehmen soll", erzählt sie: "Ich hatte an dem Abend in jeder Tasche, in den Ärmeln und überhaupt überall Schummler, weil ich diese Rolle ja kaum geprobt hatte", erinnert sie sich an eine der aufregendsten Vorstellungen ihrer Laufbahn.
Seebühne
Im Jahr 2010 folgte dann der nächste Karriereschub: Da bekam sie auf der Mörbischer Seebühne erst einmal einen "Größenkoller", als die Proben für Franz Lehárs "Zarewitsch" begannen. Die Rückkehr auf die überdimensionale Bühne folgt heuer: Ab 12. Juli wird Rein-precht, die mit einem Banker verheiratet ist, in der "Fledermaus" die Rosalinde singen. Eine Rolle, auf die sie sich sehr freut, denn die Zusammenarbeit mit dem "sehr ehrlichen und geradlinigen" Harald Serafin ist naturgemäß "ganz wunderbar".
Features
Zur Premiere
Der Evangelimann. Regie: Josef E. Köpplinger. Es dirigiert Michael Brandstätter. Premiere Do., 19.30 Uhr, Stadttheater Klagenfurt. Termine bis 9. März.
Karten: Tel. (0463) 54 0 64.
Internet: www.stadttheater-klagenfurt.at
Zur Person
Alexandra Reinprecht, geb. 1974 in Wien. Studierte Gesang am Triester Konservatorium. Fixengagements in St. Gallen, Graz, Stuttgart, Wien. Seit 2008 Ensemblemitglied der Wiener Staatsoper.
Infos: www. alexandrarein precht.com













