Manuela Tertschnig: "Für die Kultur gehe ich betteln"
Die provisorische Kulturamtsleiterin Manuela Tertschnig im Kleine Zeitung-Interview: Sie zieht Bilanz, wünscht sich ein Tanz-Festival und träumt von der Kulturhauptstadt Klagenfurt.

Foto © KLZ/TraussnigManuela Tertschnig
Seit rund einem Jahr sind Sie provisorische Kulturamtsleiterin. Was war Ihre größte Herausforderung?
MANUELA TERTSCHNIG: Dass das Team harmonisch funktioniert. In der Kulturabteilung sind 40 Leute, das ist nicht wenig.
Was war Ihr größter Erfolg?
TERTSCHNIG: Im Vorjahr hat es das erste Mal einen Folder mit dem Gesamtprogramm der Kulturabteilung gegeben. Für uns war es sehr spannend zu sehen, was wir alles machen, andererseits war es für die Klagenfurter Bevölkerung spannend, was die Kulturabteilung leistet. Das hat uns als Kulturabteilung auch in der Öffentlichkeit positioniert.
In welchen Bereichen ist Ihnen besonders viel gelungen?
TERTSCHNIG: Wir haben das Thema Literatur immer mehr in den öffentlichen Raum gebracht und damit die Tage der deutschsprachigen Literatur für die Klagenfurter präsenter gemacht. Es hat etwa die Oberkopf-Gehänge gegeben mit den Zitaten, die Kaufmannschaft hat Liegestühle aufgestellt und wir haben zum ersten Mal ein Transparent am Rathaus gehabt, das auf die Tage hingewiesen hat.
Wo gibt es Handlungsbedarf?
TERTSCHNIG: In puncto Tanz sind wir der hinterste Zipfel. Ich hätte sehr gerne ein Festival mit modernem, experimentellem Tanz. Aber das ist halt eine Frage der Finanzierung. Mit Kinder- und Jugendtheater haben wir auch Handlungsbedarf. Die Studiobühne des Stadttheaters wird im Sommer in die Alpen-Adria-Galerie einziehen. Der zukünftige Stadttheater-Intendant Florian Scholz hat gesagt, dass es dort mit Sicherheit auch Kinder- und Jugendtheater geben wird. Damit haben wir eine kleine Theatermeile, das "Just" im Künstlerhaus-Pavillon, die Studiobühne und das Stadttheater. Auch zeitgeistige Musik sollten wird noch ausbauen.
Der KulturRaum Klagenfurt, den Sie seit 2009 aufgebaut haben, hat Begeisterung aber auch Kritik hervorgerufen.
TERTSCHNIG: Ach so, welche Kritik?
Dass der KulturRaum kleinen Kulturinitiativen Geld und Aufgaben abgräbt.
TERTSCHNIG: Dass wir jemandem etwas abgraben, habe ich noch nicht gehört. Es gibt Veranstaltungen im Raj, im Kamot, im JazzClub Kammerlichtspiele und im "stereo", mit denen wir kooperieren - also mit den verschiedensten Institutionen. Wir nehmen niemandem etwas weg.
Aber ist es nicht Aufgabe der Stadt, Kulturschaffende zu unterstützen, statt selbst Kultur zu schaffen?
TERTSCHNIG: Genau. Daher kann jeder sofort hergehen und etwas übernehmen. Die Leute kommen auch zu uns, wenn sie eine Idee haben für eine Veranstaltung, damit wir weiterhelfen.
Könnten Sie sich auch eine Zusammenarbeit mit sehr politikkritischen Initiativen wie dem Unikum vorstellen?
TERTSCHNIG: Natürlich. Das Unikum wird mit 7500 Euro pro Jahr von der Stadt subventioniert. Wir sagen zu niemandem Nein.
Kritik ist also kein Ausschließungsgrund?
TERTSCHNIG: Ich begrüße Kritik. Kunst und Kultur haben den Auftrag, kritisch zu sein.
Führt das zu Diskussionen mit Kulturreferent Albert Gunzer?
TERTSCHNIG: Die Zusammenarbeit mit dem Referenten lässt für mich nichts zu wünschen übrig. Wir brauchen uns nur die Situation mit den Stadtschreibern anschauen. Karsten Krampitz und Peter Wawerzinek sind nicht unkritisch. Darüber hat es aber nie Diskussionen gegeben.
Macht Ihnen der Sparkurs der Stadt zu schaffen?
TERTSCHNIG: Nein, da kommt mir die Arbeit im KulturRaum zugute. Es mag ausschauen, als hätten wir für den KulturRaum so viel Geld. Aber ich geh dafür betteln. Ich hol' und such' mir Sponsoren, um gewisse Dinge wie den Leseplatz durchführen zu können. Wenn jemand mit einer Idee kommt, versuchen wir auch dafür einen zu gewinnen.
Was haben Sie für das heurige Kulturprogramm geplant?
TERTSCHNIG: Ich will noch nicht zu viel verraten. Nur so viel, es wird bei der Literatur wieder einiges geben wie den Leseplatz. Zusätzlich zu den Musikpicknicks wird es Literaturpicknicks geben. Die Zusammenarbeit des KulturRaums mit Minimundus wird fortgeführt. Dort wollen wir heuer das Thema Worldmusic spielen - da wird es Highlights wie die Rounder Girls geben. Mir sind auch die jungen Wilden wichtig wie der Graffiti-Künstler David Maier, der jetzt für zwei Monate in unserem Atelier in Paris ist, danach ist der Schriftsteller Alfred Goubran dort und dann für ein halbes Jahr Julia Hohenwarter. Die Ausschreibung für das Atelier in martno in der Gorika Brda läuft gerade.
Gibt es etwas, was Sie sich langfristig für Klagenfurt wünschen?
TERTSCHNIG: Klagenfurt als Kulturhauptstadt wäre spannend.
Features
Zur Person
Manuela Tertschnig. Die 55-Jährige war Büroleiterin von Ex-Bürgermeister Harald Scheucher (ÖVP). 2009 wechselte sie in die Kulturabteilung und initiierte den KulturRaum. Sie ist seit einem Jahr provisorische Kulturamtschefin. Noch kein Termin für ihre definitive Bestellung.
Künstlerisch. Sie malt, schreibt und macht Musik ("Welke Nelken").













