Georg Friedrich: Nur am Rande des Wahnsinns
Der Schauspieler Georg Friedrich hat sich als Wiener Raunzer einen Namen gemacht. Ihn darauf zu reduzieren, ist zu kurz gegriffen.

Foto © Georg Friedrich in "Spiele Leben"
Georg Friedrich muss man nicht mögen. Zumindest nicht, wenn man ihn auf der Leinwand sieht. Die Auswahl an raunzenden Wiener Verliererfiguren ist groß. Da wäre zum Beispiel "Schorsch", der Paradeprolet des österreichischen Films. Mit langer blonder Mähne rast er in einem alten Ford Mustang mit geladener Pistole durch Polen. Als sich dann ein Tankwart erdreistet, sein Auto zu beleidigen, dreht er durch. "Du Eierbär" brüllt er ihm ins Gesicht und braust, ohne zu zahlen, weiter. Oder als Kurt in "Spiele Leben", wo er als Spielsüchtiger gemeinsam mit Birgit Minichmayr um beider Existenz würfelt.
Trifft man Georg Friedrich, sieht er ein bisschen so aus wie im Film. Ein goldener Totenkopfring glänzt am rechten Mittelfinger, Tätowierungen schlängeln sich über den rechten Oberarm. Ein harter Typ eben. Sogar die Stimme klingt gleich. Dünn, mit einem lang gezogenen, rauen Unterton. Nur viel leiser und unaufgeregter als auf der Leinwand. So sitzt er im Wiener Traditionscafé "Sperl" und trinkt Tee. Interviews? "Mach ich ungern", sagt er. Privates lässt er außen vor.
Georg Friedrich (45) hat dem heimischen, aber auch dem deutschen Kino seinen Stempel aufgedrückt. Seine Figuren mäandern meist an den Rändern des gerade noch Erträglichen oder des Wahnsinns. Aber er will sich nicht auf die Figur des Wiener Raunzers reduzieren lassen: In Jan Schomburgs "Über uns das All" gibt Friedrich etwa einen Professor. In diesem Film hat er eine Hauptrolle, was für seine Karriere bisher eher untypisch war. Bis jetzt spielte er fast nur Nebenrollen. Und dort fühlt er sich wohl. Die Verantwortung für den Film sei dann nicht so groß. "Ich tu mir schon schwer, Verantwortung für mich selbst zu übernehmen", sagt Friedrich und grinst. Große Pläne sind nicht das Seine. "Die Sachen kommen auf mich zu und dann entscheide ich aus dem Bauch heraus, worauf ich gerade Lust habe."
"Hundstage" als Irrtum
Nur schauspielern, das wollte er schon immer. Mit 14 bekam er seine erste Hauptrolle. Trotzdem musste er später als Taxifahrer arbeiten, weil er vom Film nicht leben konnte. Das ist lang vorbei. Gerade ist bei den Dreharbeiten zur Verfilmung von "Die Vermessung der Welt" die letzte Klappe gefallen. Ab Februar engagiert ihn Ulrich Seidl an den Münchner Kammerspielen. Seidl ist ein alter Bekannter. Denn das Proletenklischee haftet Friedrich seit Seidls "Hundstage" an. Genauso wie die Annahme, dass er eigentlich immer nur sich selbst spiele. Ein Irrtum, mit dem er gern kokettiert. Und dabei nachdenklich am Totenkopfring vorbei in die Welt schaut.
Features
Fakten
Georg Friedrich: geboren am 31. Oktober 1966 in Wien.
Ausbildung: Schauspielschule Krauss in Wien.
Karriere: begann mit 14 beim Fernsehen. Bekannt wurde er durch "Hundstage" (2001), "Nacktschnecken" (2004) und "Contact High" (2009). "Shooting Star" der Berlinale 2004.














