"Hänsel und Gretel": Weit weg vom Märchen
Keine Lebkuchen-Lieblichkeit, sondern moderne Armut und Trostlosigkeit bildet den Rahmen für Engelbert Humperdicks Oper "Hänsel und Gretel" an der Grazer Kunstuniversität. Inszenierung in modern-tristem Ambiente. Musikalisch recht schöne Leistungen.

Foto © KUG/Wenzel
Die Aufführung, die am Samstagabend im Mumuth Premiere hatte, gewinnt vor allem im zweiten Teil, wo es lebendiger zugeht und auch das ambitionierte Orchester unter Frank Cramer richtig in Schwung kommt. Die jungen Sängerinnen und Sänger zeigten gute stimmliche Leistungen.
Barbara Beyer, Leiterin des Instituts für Musiktheater, holte die Oper aus der Vergangenheit und zeigte eine moderne Familie ohne Geld, angesiedelt in einer lieblos hässlichen Küche, die Figuren gekleidet in zweckmäßiges, billiges Gewand (Ausstattung: Natalie Lutz). Hänsel und Gretel sind zwei vernachlässigte Kinder, die Mutter eine platinblonde, genervte Berufstätige, der Vater offenbar ein Trinker. Dass die Kinder da nicht ungern in den Wald gehen, ist eigentlich klar. Dort kommt es zu recht gelungenen Szenen, wenn die Kinder aneinandergekuschelt einschlafen und lauter Engel erscheinen. Sie tragen Wintermäntel, haben große weiße Flügel und wärmen sich an einem Feuer im Wald, und so ganz ohne Kitsch entsteht plötzlich etwas sehr Tröstliches.
Sandmännchen und Taumännchen sind zu einem Mittelding aus buddhistischem Mönch und Gnom mutiert, aber das passt schon in das Gesamtbild. Die Hexe erscheint im eleganten grauen Kostüm, Pumps und Handtasche und wirkt wie ein schriller Crossdresser, der es auf die Kinder abgesehen hat. Äußerst wirkungsvoll wird sie dann in einen riesigen Ofen gestoßen, wo sie von innen noch an der Scheibe klebt und heraus will, bevor die Flammen sie verschlucken. Aus dem selben Ofen kommen dann die verzauberten und nun erlösten Kinder, und beim Knusperwalzer finden sich dann alle zum Happy End.
Bei den Sängern überzeugte besonders Xu Xiaoyi als Hänsel mit warmer und sicherer Stimme, Petra Göndöcs konnte als Gretel mit zarteren Soprantöne mithalten. Daniel Jenz zeigte als Hexe ein großes komisches Talent und gute Stimme, wodurch er die Bühne mühelos beherrschte. Theresa Zisser strahlte als glockenhelles Taumännchen, Keum Joo Hee war ein beruhigend-sanftes Sandmännchen. Als Elternpaar steuerten Marianna Szivkova und Attila Mokus zufriedenstellend ernste Töne bei, während die Kinder der Singschul' der Grazer Oper noch einige Verstärkung gebraucht hätten.













