Die tollste Flunder im TV
Ina Müller, mit "Inas Nacht" auch bei uns erfolgreich, ist derzeit als Chansonnière auf Tour - auch in Österreich. Im Interview spricht sie über ihr Glückskeksdasein und ihre späte Karriere.

Foto © ImagoTV-Entertainerin Ina Müller
Am 3. Februar kommt Ina Müller (46) in die Wiener Stadthalle. Im Gepäck: Ihre aktuellen Alben "Das wär dein Lied gewesen" und "Die Schallplatte - nied opleggt" (Plattdeutsch). Mit der witzigen ARD-Show "Inas Nacht", die zwölfmal jährlich in der Hamburger Hafenkneipe "Zum Schellfischposten" aufgezeichnet wird, hat die "Radikalunterhalterin" (© "Spiegel") aus Cuxhaven auch bei uns ihre Fans.
In Ihrer TV-Show "Inas Nacht" wird getalkt, gesungen, gebechert, ein Shantychor singt beim Fenster herein. Wie kommt man denn auf so ein aberwitziges Konzept?
INA MÜLLER: Ich hab' mir das ausgedacht. Es gab nicht einmal ein Kreativteam, ich wusste ja, was ich wollte. So war auch von Anfang an klar, dass im Lokal nur 14 Leute Platz haben und dass meine Band und ich Musik machen.
Für öffentlich-rechtliches Fernsehen fließt recht viel Alkohol.
MÜLLER: Das Image der sabbelnden, Bier saufenden norddeutschen Flunder stört mich nicht. Und wir verraten ja nicht, wer von den Gästen Alkohol trinkt. Die Sendung lebt davon, dass wir ungehemmt in der Kneipe sitzen, reden, singen, bestellen.
Inzwischen läuft die Show sogar am Samstagabend. Irgendwas machen Sie da wohl richtig.
MÜLLER: Weiß nicht. Ich habe mit "Inas Nacht" und meiner Musik Spaß und hoffe, dass die Zuhörer und Zugucker das gut finden.
Einverstanden mit dem Etikett "Annett Louisan für Erwachsene"?
MÜLLER: Nee. Annetts Stimme ist kindlicher, zarter, zerbrechlicher. Meine ist rauer, abgeranzter, härter. Vielleicht gibt's inhaltliche Parallelen.
Stimmt der Eindruck, dass Ihr Label Sie mit Songs über Fremdgehen, Handtaschen etc. als freche, toughe Powerfrau positioniert?
MÜLLER: Nein, die Plattenfirma lässt mich da total in Ruhe. Eigentlich ist die Unterstellung beleidigend. Ich wüsste auch nicht, wo das funktionieren sollte.
Jungen Künstlern passiert das doch oft.
MÜLLER: Könnte sein. Aber ich habe ja erst mit Ende 30 angefangen, Platten zu machen. Und man kann auch erfolgreich sein, indem man einfach ist, wie man ist. Da könnten sich auch die Labels mal Gedanken machen, ob so was nicht auch bei einem 20-Jährigen funktioniert, bevor der immerzu Drogen nehmen muss, weil er sich ewig verstellt.
Wieso sind Sie erst so spät Entertainerin geworden?
MÜLLER: Ich habe, bis ich 30 war, als pharmazeutisch-technische Assistentin in der Apotheke gestanden, auch sehr gerne. Nebenher hatte ich Auftritte in Nachtshows und Varietés, bis eine Plattenfirma Musik mit mir machen wollte. Das hat funktioniert, und dann hat mich der NDR überredet, eine Sendung zu moderieren.
Karriere auf dem Silbertablett.
MÜLLER: Ja, ich bin da wohl ein Glückskeks. Mein Pfund ist immer: Wenn's im Fernsehen nicht klappt, mach' ich eben mehr Musik. Oder Theater. Oder Kleinkunst. Ich hab' keinen Druck, dass was nicht mehr läuft.
Features
Zur Person
Ina Müller, geb. 25. Juli 1965 in Köhlen/Cuxhaven. Musikerin und Moderatorin.
Inas Nacht: 12x jährlich samstags in der ARD. Derzeit werden neue Folgen vorbereitet, Wiederholungen gibt's spätabends auf NDR, z.B. 3./10./17. Februar.
Live gibt's die Entertainerin am 3. Februar in der Wiener Stadthalle.














