Stilsicher durch acht Jahreszeiten
"La Folia" debütierte mit Lully und Vivaldi in Graz.

Foto © KK Kreative und virtuose Geigerin: Julia Schröder
GRAZ. Technisch versiert und stilsicher stellte sich das "La Folia Barockorchester" im Stephaniensaal mit Jean-Baptiste Lullys "Ballet des saisons" vor, bei dessen Uraufführung am 23. Juli 1661 in Fontainebleau König Ludwig XIV. als Tänzer mitgewirkt hatte. Vielleicht fiel deshalb die Interpretation des Jahreszeitenballetts durch die vom Konzertmeister Robin Peter Müller geleitete Truppe, die Lullys meist fünfstimmigen Satz um vom Komponisten nicht geforderte, aber stimmig eingesetzte Perkussionsinstrumente erweiterte und die vokalen Teile rein instrumental ausführte, etwas gravitätisch aus.
Wesentlich temperamentvoller agierte das 2007 in Mannheim gegründete Ensemble bei seinem Musikvereinsdebüt, als nach der Pause nochmals die "Vier Jahreszeiten" erklangen, denn bei den vier Violinkonzerten von Antonio Vivaldi riss die Solistin Julia Schröder die Führung energisch an sich. Die bayerische Konzertmeisterin des Kammerorchester Basel begab sich nicht auf Tempojagd, sondern faszinierte durch ihre geigerischen Qualitäten. Brillante Technik, die selbst bei rasanten Läufen jeden einzelnen Ton sauber blitzen lässt, hohe Intonationssicherheit, prägnante Artikulation sowie zwingende Gestaltungskraft stellte sie in den Dienst einer Interpretation, die stark auf die eigene Kreativität setzt. Mit starken Tempomodifikationen, Verzierungen, Improvisationen und dem Extemporieren von Überleitungen drückte sie dem Solopart ihren ganz persönlichen Stempel auf.












