Kidd Pivot zu Gast im Festspielhaus St. Pölten
Mäßig war das Besucherinteresse am Gastspiel der Frankfurter Company "Kidd Pivot", die am Samstagabend im Festspielhaus St. Pölten das von Crystal Pite konzipierte und choreografierte Stück "The Tempest Replica" zur Österreichischen Erstaufführung gebracht hat. Umso kräftiger fiel nach 75 größtenteils fesselnden Minuten die Zustimmung des Publikums für diese Produktion aus.
Ein Mann sitzt auf der Bühne und faltet seelenruhig Papierschiffchen, die er vor sich am Boden postiert. Er hat damit schon begonnen, ehe es dunkel wird im Saal. Dann ruft er dreimal einen Namen: Ariel. Als der Luftgeist erscheint, bricht ein Unwetter los, wo auch Sound- und Lichtdesign gleich einmal so richtig loslegen können. Wir befinden uns in Shakespeares "Sturm" - und auch wieder nicht. Crystal Pite erzählt Prosperos Geschichte auf differenzierte Weise, nicht in Form einer bloßen Nacherzählung - manche Begebenheiten werden als Schattenspiel im Hintergrund sichtbar -, sondern auf mehreren Ebenen reflektierend.
Die Charaktere erhalten Doppelgänger in weißem Gewand und mit Masken, die an Fechtsportler erinnern. Auch die vergipsten Menschen im Wiener Aktionismus kommen da leicht in den Sinn. Sie agieren wie Marionetten unter der Regie Prosperos, der im weiteren Verlauf einige Kämpfe gewinnt. Seine Gegner zelebrieren ihre in der Auseinandersetzung erlittenen Versehrungen geradezu virtuos.
Am Ende stirbt der heldenhafte Prospero, umgeben von den weißen Gestalten. Als er leblos am Boden liegt, spenden sie ihm posthum lautlosen Applaus. Dieser geht wiederum in den lautstarken Beifall des Publikums über - finaler dramaturgischer Schachzug und letztes deutliches Indiz für eine doch sehr bewusst durchdachte Hommage an Shakespeare und seinen "Sturm".















